11 Dinge im Alltag mit Kindern, die euch keiner gesagt hat
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11 Dinge im Alltag mit Kindern, die euch keiner gesagt hat

Unsere Eltern-Welt ist voller Ratgeber. Meterweise Erziehungstipps in Bücherregalen, Instagram-Posts und Tweets präsentieren uns eine heile Welt, Facebook-Gruppen beantworten mit 428 Kommentaren unsere Fragen und Experten sprechen in Radio und TV oder veranstalten Online-Kurse über Zoom und YouTube. Also eigentlich müsste doch alles klar sein – oder?

Das Problem: Wissen heißt nicht gleich verstehen, verstehen heißt nicht gleich tun und tun heißt nicht gleich können. Wir üben noch Jahre nach der Geburt unserer Kinder, wie wir mit ihnen am besten umgehen. Wir lernen jeden Tag dazu, fahren Niederlagen ein, raffen uns wieder auf und arbeiten weiter an uns. Wir sind noch lange nicht perfekt. Aber das macht nichts!

Perfekt sein zu müssen ist der beste Weg zum Scheitern 

Wir wollen immer alles richtig machen, damit unsere Kinder glücklich sein können. Und nicht nur das, wir müssen uns auch um Haushalt, Job, Freundeskreis und die eigene Gesundheit kümmern. Ich war erst vor kurzem an einem Punkt, an dem ich mir eingestand: ich kann nicht mehr im Sinne von „noch mehr“. Ich bin dauernd unter Stress, habe ständig das Gefühl zu spät zu sein, habe Alpträume, in denen ich wichtige Dinge vergesse und bekomme buchstäblich kaum noch Luft. Ich muss etwas streichen, raus aus dem Hamsterrad. Ich muss nicht perfekt sein. Denn ich kann nicht perfekt sein. Niemand kann das. 

Und ich nehme den Druck und das Drama raus. Achte mehr auf unsere Bedürfnisse und weniger auf das, „was man halt so macht“. Lasse die Kinder in den Ferien bis 22:00 aufbleiben, weil sie Nachteulen sind wie ich. Ignoriere das Chaos im Wohnzimmer. Gönne ihnen das zweite Eis. Gönne mir eine halbe Stunde PowerNap während sie fernschauen. Und versuche so, meinen Adrenalin-Spiegel wieder etwas zu senken. Denn dann sind die Kinder auch friedlich. Vielleicht nicht perfekt, aber entspannter. 

Mehr dazu hier: Sind wir perfekte Eltern?

Der klassische Erziehungsgedanke kommt aus dem Faschismus

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Tja, ich habs gesagt. Erziehung mit Lob und Tadel ist beliebt, weil sie nützlich ist. Sie unterdrückt Widerstand und eigenständiges Denken. Bei Burschen werden Wut und Aggression nach außen gelenkt, der gemeinsame Feind gesucht und besiegt. Bei Mädchen zählt, dass sie sich für andere aufopfern, ohne auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten.

Zum Wohle der Gemeinschaft sollen Kinder lieb, artig und brav sein, sich anpassen und möglichst nicht stören. Dieses Verhalten ist aber nur für die Umgebung von Vorteil, die Kinder selbst werden dadurch in ihrer Entwicklung und Entfaltung gehemmt. Ziemlich egoistisch oder?

Mehr dazu hier: Manipulation, Unterdrückung, Erpressung – was wir unseren Kindern unwissentlich antun

Kinder krempeln euer Leben um – komplett!

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Ein Leben mit Kind kann man sich nicht vorstellen, solange man keines hat. Die Vater-Mutter-Kind-Konstellation (und all ihre Abwandlungen) ist derart individuell, dass man niemals vorhersehen kann, wie es sein wird, Eltern zu sein. Aber eines ist sicher: NICHTS ist mehr, wie es war. 

Mehr dazu hier: 10 Dinge, von denen man sich als junge Eltern verabschieden kann

Eure Gefühle sind stärker, als ihr euch je vorstellen konntet

Das Herz, das zerreißt, die Wut, die in dir hochkocht, die Angst, die dir die Kehle zuschnürt, der Stolz, der deine Brust schwellen lässt, die Freude, die dir Tränen in die Augen treibt – all dies sind Ausdrücke, die man kennt. Die man vielleicht auch schon einmal am eigenen Leib genauso verspürt hat. Ich habe all das zum ersten Mal mit meinen Kindern erlebt. 

Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich regelrecht überwältigt war, wie stark meine Gefühle sein können, positiv wie negativ. Die grenzenlose Liebe zu ihnen, der unbändige Drang, sie zu beschützen, die völlige Hilflosigkeit, wenn du ihre Schmerzen nicht lindern kannst und die fürchterliche Angst, sie zu verlieren. Diese Intensität der Emotionen erlebt man nur als Eltern.

Niemand bringt euch so an eure Grenzen wie euer Sprössling

Ihr werdet es nicht glauben: 

  • wie intensiv eure Emotionen sein können (hatten wir gerade)
  • mit wie wenig Schlaf ihr plötzlich den Alltag bewältigen könnt
  • wie viel Kilogramm an Zeug man überall hin mitschleppen muss
  • welchen permanenten Lärmpegel ihr vertragt, ohne verrückt zu werden
  • dass ihr plötzlich nicht mehr krank seid, weil ihr einfach keine Zeit dazu habt
  • dass Privatsphäre, Ordnung und Planbarkeit von heute auf morgen flöten gehen
  • was ihr alles mit einer Hand erledigen könnt (vom Kochen bis zur Körperpflege)
  • dass ihr so lange auf Essen und Trinken vergessen könnt, bis euch schwindlig wird
  • wie oft ihr dasselbe Buch vorlesen/dasselbe Lied singen/dieselbe Geschichte erzählen werdet

Natürlich, das muss alles nicht sein. Aber wundert euch nicht, wenn es dann doch so ist!

In jeder Mutter steckt eine potenzielle Mörderin

Das bringt mich gleich zum nächsten Thema – auch hier hat mich meine Reaktion schockiert! Als unser Sohn noch ganz klein war, waren wir mit ihm in der Stadt unterwegs. Mein Mann holte gerade das Auto. Eine ältere Frau kommt auf mich zu, spricht mich in einer mir nicht verständlichen Sprache an, gestikuliert, deutet auf mein Baby in der Babyschale – und reißt mir plötzlich die Babyschale aus der Hand! 

Ich habe sie mir nach dem ersten Schock natürlich sofort wieder zurückgeschnappt. Es passierte nichts weiter und ich bin mit dem Schrecken davon gekommen. Bis heute weiß ich nicht, was sie wollte oder vorgehabt hätte. Ich bin ein zutiefst friedfertiger Mensch, aber ich war mir sicher: Wenn sie nicht losgelassen hätte, wäre ich sofort ohne zu zögern gewalttätig geworden. Und ich nehme an, darin sind wir uns als Eltern alle einig: Wenn jemand unser Kind bedroht, schrecken wir vor nichts zurück. 

Eure Kinder werden euch therapieren

Unsere-Kinder-sind-die-besten-Therapeuten

Kinder bringen uns nicht nur an unsere Grenzen, sie kehren auch unser Innerstes nach außen. Mit ihren feinen Antennen spiegeln sie unsere tiefsten Emotionen, mögen sie auch noch so verborgen sein. Denn vieles von der Angst, der Wut und den Sorgen, die den Alltag mit Kindern so anstrengend machen können, geht auf unsere eigene Kindheit zurück. 

Oft schützen wir unsere Kinder vor etwas, das uns damals selbst weh getan hat. Obwohl die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass es unseren Kindern gar nicht so sehr weh tut, weil sie total verschiedene Menschen sind.

Kinder reißen alte Wunden auf und wecken unangenehme Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten. Das macht uns wütend und wir meckern herum und schreien unsere Kinder an. In Wahrheit sind wir es, die Hilfe brauchen, diese Themen zu bearbeiten. Damit wir wieder friedvoll sein können – zu unseren Kindern und zu uns selbst. 

Mehr dazu hier: Unsere Kinder sind die besten Therapeuten oder Mein Kleinkind ist so anstrengend – was tun?

Kinder schlafen nur ein, wenn ihr entspannt seid

So-bringen-wir-unsere-Kinder-zum-Einschlafen

Wir begleiten unsere Kinder beim Einschlafen. Immer noch. Mittlerweile sind sie 3 und 5 und alleine einschlafen ist nach wie vor ein No Go. Der Große schafft es hin und wieder, manchmal sogar ohne Protest. Aber klar, warum soll er allein im Dunkeln liegen, wenn die kleine Schwester jeden Abend in den Schlaf gekuschelt wird? 

Wir liegen also Abend für Abend bei ihnen und warten, bis ihnen die Augen zufallen. Das dauert je nach Aktivität tagsüber bis zu 2 Stunden. Aus Erfahrung wissen wir mittlerweile: Je ungeduldiger wir werden, desto länger zieht sich die Einschlafbegleitung. Erst wenn wir selber abschalten und und entspannen, kommen auch die Kinder zur Ruhe. Womit wir wieder bei den feinen Antennen wären. 

Mehr dazu hier: So bringen wir unsere Kinder zum Einschlafen

Familienbett ist sinnbefreit

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich bin ein absoluter Fan von Co-Sleeping. In der Steinzeit (in der ja unser Verhalten bis heute verankert ist) wäre niemand auf die Idee gekommen, sein Kind allein in der Dunkelheit schlafen zu lassen. Da schliefen alle in der großen Höhle am Lagerfeuer im Kreis, die Erwachsenen außen, die Kinder innen. So wie es nun auch im Elternbett der Fall ist (nur ohne Lagerfeuer). Unsere Kinder kamen ebenfalls nicht auf die Idee, alleine in ihrem Zimmer zu schlafen. Jahrelang nicht. 

Als sich abzeichnete, dass wir als Eltern noch längere Zeit nicht allein in unserem Bett schlafen würden, überlegten wir mehrmals die Anschaffung eines schönen, großen (und teuren) Familienbettes. Das Werbeversprechen „Endlich genug Platz“ hat es uns ziemlich angetan. 

Bis sich mein Verdacht bestätigte, dass ein großes Bett nicht automatisch mehr Platz heißt. Denn die beiden Racker schlafen immer noch auf beiden Seiten an mich gekuschelt. Nach wie vor muss ich meine Arme und Beine jedesmal zuerst aus- und dann wieder einfädeln wenn ich mich umdrehe oder aufstehe. Ob hinter den Kindern nun 20 oder 200 Zentimeter Platz ist, ist herzlich egal. 

Deshalb sind die Wutanfälle eurer Kinder in der Öffentlichkeit so peinlich 

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Der oft zitierte Inbegriff der Peinlichkeit: Kind schmeißt sich im Supermarkt heulend auf den Boden und schlägt um sich, weil es das gewünschte Eis nicht bekommt. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich so oft vorkommt, ich hätte es noch nie erlebt, bei meinen Kindern schon gar nicht. Wie auch immer, der Grund, warum uns schreiende Kinder in der Öffentlichkeit so unangenehm sind, liegt wie so vieles in unseren Genen. 

Evolutionsbiologisch überleben Menschen am besten in Gruppen. Deshalb steckt in uns allen der Drang, dazu zu gehören. Wenn unsere Kinder im Restaurant oder Supermarkt zu toben anfangen, ernten wir missbilligende Blicke. Diese Missbilligung schürt in uns die Angst, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden – was völliger Schwachsinn ist, denn wir sind für unser Überleben weder auf die Kunden im Supermarkt noch die Gäste im Restaurant angewiesen. Unser Stammhirn weiß das aber nicht und schlägt Alarm. Wir bekommen Panik. 

Wenn sich euer Kind also das nächste Mal als wütender Giftzwerg präsentiert, ignoriert die gaffenden Passanten. Seid euch gewiss, dass euer aufkeimender Stress Fehl am Platz ist. Weist in freundlich aber bestimmt in die Schranken und konzentriert euch darauf, euer Kind durch seinen Stress zu begleiten.  

Mehr dazu hier: Wutanfälle bei Kleinkindern – 5 Schritte durch die Wut

Ersatzgewand braucht man nur, wenn man keines dabei hat

Unterwegs-mit-Baby-Kleinkind-diese-12-Dinge-müssen-in-den-Rucksack

Nehmt immer Ersatzgewand mit. Für jedes Kind. Immer! Und etwas zu trinken und etwas zu essen, auch, wenn ihr gerade vorm Aufbruch Mittag gegessen habt. Und Taschentücher. Aber ich wiederhole mich:

Mehr dazu hier: Unterwegs mit Baby und Kleinkind – diese 12 Dinge müssen in den Rucksack

So, mit diesem Wissen seid ihr perfekt auf das Leben mit Kindern vorbereitet. (Jetzt bitte in Gelächter ausbrechen)

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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