10 Dinge, von denen man sich als junge Eltern verabschieden kann
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10 Dinge, von denen man sich als junge Eltern verabschieden kann

Kinder stellen unser Leben gehörig auf den Kopf. Plötzlich ist alles anders. Ein kleiner Trost für alle im selben Boot und ein augenöffnender Spoiler für werdende Eltern – so ist das Leben mit Kleinkind!

„This is the end of the world as we know it“ singt R.E.M. Als ich das Lied mal wieder im Radio hörte (in den seltenen Momenten, in denen ich allein im Auto bin und Radio statt Petronella Apfelmus höre) musste ich lachen. Es inspirierte mich zu diesem Artikel. 

Ein Kind kommt zur Welt und plötzlich ist alles anders. Sogar das Gehirn stellt sich messbar auf die Betreuung des Nachwuchses ein. Logisches Denken rückt in den Hintergrund, während die Achtsamkeit vor möglichen Gefahren und der Fokus auf Emotionen und Problemlösung zunehmen. 

Man lebt im Augenblick und ist auch dank Schlafmangel mit Kortisol vollgepumpt. Die damit einhergehende Vergesslichkeit namens „Stilldemenz“ ist vielleicht noch von der „Schwangerschaftsdemenz“ bekannt. Wie oft haben wir uns gefragt: „Wie war das eigentlich, als wir noch keine Kinder hatten….?“ 

Sozialer Kontakt mit Gleichaltrigen

In den ersten Jahren mit Kindern reduziert sich die Anzahl der Wörter, die ihr mit Erwachsenen wechselt, so was von drastisch. Ihr konzentriert euch natürlich voll und ganz auf euer Kind, bleibt am liebsten im sicheren Hafen, wo ihr alles griffbereit habt. Nicht immer 257kg an Zeug herumschleppen zu wollen bedeutet aber auch kaum Kontakt zur „Außenwelt“. 

Sind die Kinder größer, geht es doch öfter nach draußen und unter Leute. Doch auch am Spielplatz, beim Familienfest oder im Supermarkt wird jede kurze Möglichkeit zur Konversation mit Gleichaltrigen sofort im Keim erstickt. Weil die lieben Kleinen sich gegenseitig mit Sand bewerfen, auf der Rutsche rangeln, fremde Hunde streicheln wollen, davonlaufen oder es einfach total nervig und langweilig finden, dass Mama schon wieder tratschen muss. 

Die gemeinsamen Spieleabende unter Freunden werden zu gemeinsamen Kinderspiel-Nachmittagen, wo man als Erwachsener (zumindest mir ging es immer so) meist auch völlig von Brio-Zug, Duplo-Burg, Puzzlespiel, etc. vereinnahmt wird. 

Hauptsache, wir sind dann beleidigt, wenn sie uns in ein paar Jahren die Zimmertüre vor der Nase zuschmeißen und uns nicht mehr mitspielen lassen. Dann haben wir aber zumindest wieder genug Zeit zum Kaffeetrinken und Plaudern. 

Erreichbarkeit 

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Seit meine Kinder auf der Welt sind, beschwert sich mein Umfeld zunehmend, dass ich nicht ans Telefon gehe. Und nicht auf Mails oder SMS reagiere. Allerdings rufe und schreibe ich IMMER verlässlich zurück – spätestens am übernächsten Tag dann. Oder so. 

Meine mangelnde Erreichbarkeit hat aus meiner Sicht drei Gründe:

Mit Kindern wird das Handy nebensächlich. Erstens läutet es sowieso nur dann, wenn man gerade am Klo ist, oder am Stillen oder am Wickeln oder beim Essen herrichten. Also wenn man grad keine Hand zum Abheben und/oder Telefonieren frei hat. Erschwerend kommt hinzu, dass man plötzlich nur mehr eine Hand hat, weil auf der anderen dauernd das Baby hängt. 

Dass ich gerade situationsbedingt nicht abheben KANN, ist eine Sache. Der zweite Grund ist die ständige Stummschaltung des Handys. Wenn das Baby nämlich endlich schläft, vergesse ich garantiert, mein Telefon auf lautlos zu stellen. Und wenn ich das vergesse, ruft garantiert jemand an. Bye Bye Auszeit. Deshalb: Handy bleibt auf lautlos. 

Drittens: Handys sind das beste Baby-Spielzeug. Es blinkt, macht Geräusche und es muss super wichtig sein, weil Erwachsene immer und überall eines in der Hand haben. Alle Babys wollen es haben, darauf herumdrücken, das Display verschmieren und es runter schmeißen. Deshalb: Handy aus der Reichweite kleiner Kinder und damit auch aus meiner. 

Wenn etwas wirklich wichtig ist und jetzt sofort auf der Stelle sein muss, bitte dreimal hintereinander anrufen. Ansonsten melde ich mich am Abend wenn die Kinder schlafen. Falls ich dann noch wach bin.

Es kann übrigens auch sein, dass das Handy die ganze Zeit besetzt ist – entweder weil wir dauernd Fotos und Videos von unseren süßen Kleinen machen, oder weil die Kids herausgefunden haben, dass man mit Mamas und Papas Handy Emojis hin und her schicken kann. 

Privatsphäre

Kinder sind überall. ÜBERALL! Überall drauf, überall drunter, überall dran, überall drin. Sie laufen dir nach. Wo du auch bist. Sie beobachten dich. Ständig. Beim Essen, in der Dusche, am Klo – NIE bist du allein. Als ich das erste Mal meine Menstruationstasse einsetzte und dabei eine ziemliche Sauerei veranstaltete, wurde ich von beiden kritisch beäugt. Und natürlich stellen sie Fragen. Völlig ungeniert! Bis heute fragt mein Großer jedes Mal wenn er mich am Klo besucht: „Mama, kann ich das Blut sehen?“ Hat ihn anscheinend fasziniert. 

Klar – so lernen sie am meisten. Durch Beobachten und Nachahmen. Das ist quasi ihr Hauptjob.

Entspannung und Me-Time

Als meine Schwester sich während der Pandemie beschwerte, dass ihr Partner jetzt Home Office hat und DAUERND DA ist. Und dass sie das schon kaum mehr aushält, weil sie keine Me-Time mehr hat. Da wurde mir bewusst, dass ich gar nicht mehr weiß, was das ist, Me-Time. Also Zeit für mich. Denn die habe ich schon seit fast fünf Jahren nicht mehr. Außer vielleicht eine Mini-Auszeit mal zwischendurch

Achtung! Wenn ihr beginnt, auch euer Essen in winzig kleine Stückchen zu schneiden, zu eurem Partner Papa oder Mama sagt, wenn die Kinder schon schlafen oder ihr nervös werdet, wenn es zu ruhig ist im Zimmer – dann müsst ihr dringend mal raus!

Durchschlafen

Unsere Kinder brauchen wenig Schlaf. Seeeeeehr wenig Schlaf. Sie wollen nicht einschlafen und sie wollen nicht durchschlafen. Unsere Tochter fängt jetzt langsam damit an (nach knapp 3 Jahren). Unser Sohn (mittlerweile 5) wandert nach wie vor konsequent jede Nacht zu uns ins Bett. 

Wir haben gehört, dass das nicht so sein muss. Dass auch Eltern oft 5 bis 6 Stunden am Stück durchschlafen können. Bei uns ist das die absolute Ausnahme. Da könnte ich euch Geschichten erzählen…. 

Eigenes Essen

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Kinder lernen durch ausprobieren – das gilt auch für die Nahrungsaufnahme. Und von Mamas oder Papas Teller schmeckt es anscheinend immer besser. Mittlerweile haben wir unsere Kinder so weit, dass sie zumindest fragen, bevor sie uns alles weg schnappen. 

Und irgendwie ist es ja auch süß, wenn Papa sein Frühstück auf den Tisch stellt und – schwuppdiwupp – sind zwei Kinder auf seinem Schoß, bereits mit Löffel bewaffnet, um das begehrte Papa-Müsli bis zur letzten Haferflocke aufzufuttern. Ich kann darüber zumindest lachen. 

Körperpflege und Styling

Natürlich – es ist eine Frage der Prioritätensetzung. Natürlich kann man auch hübsch und gepflegt aussehen, wenn man Kinder hat. Natürlich kann man auch schöne und saubere Kleidung tragen, wenn man Kinder hat. Die Frage ist nur, für wie lange und ob es den Aufwand wert ist. 

Als meine Kinder Babys waren, trug ich aus Prinzip nur alte, ausgewaschene T-Shirts und Jeans, denn diese musste ich aufgrund von Verunreinigungen mit diversen Körperflüssigkeiten mehrmals täglich wechseln. (Achtung! Auch das hintere Ende gleicht einer Spritzpistole mit bis zu einem Meter Reichweite – ich konnte es nicht glauben!)

Meine Schminkutensilien vergammeln seit 5 Jahren im Schrank, ich bin froh, wenn ich hin und wieder dazukomme, Körperlotion zu verwenden und mir die Nägel zu schneiden! Lange, offene Haare stören beim Wickeln und sind sofort verfilzt. Mit Kleinkind Ohrringe oder Halsketten zu tragen grenzt an Masochismus. Und habt ihr schon mal versucht, in High-Heels über Spielplatz-Rindenmulch einem Kind nachzulaufen?

Aber das macht nichts: Es schaut niemand auf die Eltern, solange die Babys süß sind – und das sind sie immer!

Ordnung

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Wer mit Unordnung nicht leben kann, darf keine Kinder bekommen. Punkt. So ist das nun einmal. Ich denke, den Kampf ums Aufräumen gibt jeder einmal auf, spätestens wenn die Kinder dann mit 10 Jahren ihr eigenes kleines Reich einfordern. Damit haben wir zwar noch keine Erfahrung, aber laut Bekanntenkreis sind Eltern dann froh, wenn sie zweimal in der Woche zumindest durchlüften dürfen. 

Wir zwingen unsere Kinder zu so wenig wie möglich und schon gar nicht zum Aufräumen. Die ordentliche Wohnung wollen schließlich wir, ihnen ist das Chaos schnurz. Mal räumen sie auf, mal nicht, mal helfen sie dabei, mal nicht. 

Meist nicht. Wir hoffen, dass hier irgendwann die viel gepriesene Vorbildfunktion einmal schlagend wird. Und wenn nicht, dann eben nicht. 

Sauberkeit

In dieselbe Bresche wie Ordnung schlägt Sauberkeit. Auch das gibts nicht mehr in der Wohnung. Mit zwei kleinen Kindern explodiert die Anzahl der Dinge, die herumliegen, des Geschirrs, das sich in der Küche stapelt, der Wäsche, die gewaschen werden will und der Brösel, die sich unter dem Tisch breitmacht. 

Zweimal am Tag fährt unser Staubsauger-Roboter durch die Wohnung (den ich übrigens jeder Familie wärmstens ans Herz legen kann – die beste Investition überhaupt!). Er sammelt jedes Mal Dreck in rauen Mengen ein, wo ich mich jedesmal verdutzt frage, wo das alles herkommt. Es wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. 

Planung und Effizienz

Kinder stellen euer Leben nicht nur auf den Kopf, sie zerknüllen es, springen drauf und werfen es lachend durch die Luft. Genau dasselbe machen sie mit euren (Zeit)Plänen. Beispiele gefällig?

  • Der Kurzurlaub ist gebucht – ein Kind wird natürlich kurz davor krank. 
  • Endlich sind wir mal gut in der Zeit für den Kindergarten – Kind sitzt 20 Minuten am Klo. 
  • Wir haben einen Termin beim Kinderarzt – Kind zieht sein Mittagessen bis zu 30 Minuten in die Länge. 
  • Wir bestellen Essen im China-Restaurant – von dem, was sie das letzte Mal verschlungen haben, rühren sie diesmal keinen einzigen Bissen an
  • Mama und Papa planen einen Serien-Abend vor dem Fernseher – Kind schläft natürlich nicht. 
  • Mama und Papa wollen am Abend weggehen – Kind schläft natürlich nicht und weint verzweifelt nach Mama und Papa. 

Tja, am besten einfach nichts mehr planen und unsere Kinder als das ansehen, was sie sind: Wundertüten. Kommen wir nochmal zurück auf R.E.M.: „This is the end of the world as we know it – AND I FEEL FINE!“

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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