Sind wir perfekte Eltern? 8 Dinge, die Kinder von ihren Eltern brauchen
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Sind wir perfekte Eltern? 8 Dinge, die Kinder von ihren Eltern brauchen

Als Eltern perfekt zu sein ist aber vielleicht gar nicht so schwer – wenn wir uns erlauben, unsere Definition von Perfektion zu hinterfragen.

Machen wir uns nichts vor. Wir alle wollen perfekt sein! Perfekt im Job, perfekt in Freundschaften, perfekt in Beziehungen, perfekt im Haushalt und vor allem: perfekt als Eltern. Denn unsere nächste Generation in ein erfülltes Leben voller Zufriedenheit, Glück und Selbstvertrauen zu begleiten, sollte unsere wichtigste Aufgabe sein. 

Machen wir uns nichts vor. Perfekt zu sein geht ganz schön an die Substanz! Und in allen Bereichen perfekt zu sein ist in der Praxis unmöglich. Aber vielleicht ist gerade das Unperfekte genau richtig. Wenn wir ein paar grundsätzliche Dinge geben, die unsere Kinder wirklich brauchen, machen wir uns auf einen guten Weg. 

Kinder brauchen bedingungslose Liebe

Das Allerwichtigste zuerst: KINDER BRAUCHEN BEDINGUNGSLOSE LIEBE! Ihr Zuhause soll ihr sicherer Hafen sein, wo sie akzeptiert werden, wie sie sind, stets Hilfe und Trost finden und auch mal ihren Frust loswerden können ohne dafür bestraft zu werden. In diesem Zusammenhang zitiere ich so gerne die Bestseller-Autorin Nicola Schmidt:

„Sag deinem Kind jeden Tag, dass du es lieb hast. Außer es nervt dich. Dann sag es ihm zweimal!“

Natürlich, alle Eltern lieben ihre Sprösslinge. Aber Kinder müssen sich dieser bedingungslosen Liebe auch sicher sein können, müssen sie spüren. Es hilft nicht, nur zu sagen „Ich hab dich lieb so wie du bist“. Es hilft auch nicht, es tatsächlich so zu meinen, wenn die Botschaft beim Kind nicht ankommt. Wenn wir unser Kind ständig ermahnen, kritisieren, formen und verbiegen, er“ziehen“ wollen, stimmen unsere Taten nicht mit unseren Worten überein.

Der berühmte Familientherapeut Jesper Juul schreibt in seinem Buch „Dein kompetentes Kind“*, dass Kinder in einer solchen Situation den Fehler immer zuerst bei sich selbst suchen. Sie hören, dass wir sie lieben, sie fühlen es aber nicht. Sie denken daher, dass mit ihnen irgendetwas nicht stimmt, sie kommen sich falsch vor. 

Oftmals hilft schon die Änderung des Tonfalls – von belehrend zu ermutigend, von tadelnd zu erklärend. Oder wir verlassen uns ein Stück weit auf ihre Vernunft und sagen gar nichts mehr, um uns nicht ständig zu wiederholen. Ich vergesse das auch immer wieder, bis mein 5jähriger mal wieder die Augen verdreht und mich genervt erinnert: „Weiß ich ja e, Mama!“

Kinder brauchen ehrliches Interesse

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Weil ich dauernd gefragt werde, wie denn das so funktioniert ohne Erziehung: Es funktioniert gar nicht. Es hat nämlich kein Ziel. Unerzogen ist keine Methode, es ist eine Einstellung. Denn sobald wir unsere Kinder mit Macht – und sei sie noch so subtil – dazu bringen möchten, etwas zu tun oder zu sein, was sie nicht wollen, erziehen wir. (Das heißt nicht, dass wir nichts mehr verbieten dürfen – wir müssen nur dazu stehen.)

Am Ende dieses Weges steht kein wohlerzogenes Kind, welches artig Guten Tag, Bitte und Danke sagt, sondern ein starker, selbstbewusster Mensch, der sein Leben lang auf Augenhöhe behandelt wurde. Dieser Weg kostet Zeit und Nerven, keine Frage, denn für die Umgebung sind die stillen, braven Kinder bequemer. Aber das Zusammenleben in unserer Gesellschaft sollte nicht länger auf Lob und Tadel aufgebaut sein. 

Um die Begleitung unserer Kinder ohne schimpfen, strafen und drohen zu erleichtern, ist es wichtig, die Bedürfnisse hinter dem Verhalten zu ergründen. Dazu brauchen Kinder unsere Zeit, unser ehrliches Interesse an ihrem Tun und Sein, dass wir ihnen aktiv zuhören, mit ihnen spielen, sie mithelfen lassen, auf sie eingehen, mit ihnen kuscheln und raufen und sie damit wirklich WAHRNEHMEN. 

Kinder brauchen Schutz und Stärke

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Als Eltern sind wir immer größer und stärker, wir haben damit Macht über unsere Kinder. Es kommt nur darauf an, wie wir diese Macht einsetzen. Gebrauchen wir unsere Macht willkürlich, um unseren Willen durchzusetzen, üben wir Gewalt aus. Gebrauchen wir unsere Macht, um Gefahrensituationen zu vermeiden, schützen wir unsere Kinder. Gebrauchen wir unsere Macht, um unsere Integrität zu schützen, schützen wir uns selbst.

Kinder brauchen Stärke, mit der wir sie schützen, denn das ist unsere Pflicht als Eltern:

  • Schutz vor Gefahren im Alltag (Straßenverkehr)
  • Schutz vor anderen (Menschen und Tieren)
  • Schutz vor sich selbst (am Balkongeländer balancieren ist keine gute Idee)

Kinder brauchen Sicherheit

Kinder müssen sich auf uns Eltern verlassen können. Das bedeutet nicht nur, Versprechen einzuhalten, sondern auch in gewissen Umständen gleich zu reagieren.

Wir stiften maßlose Verwirrung, wenn wir uns beim Ballspiel im Wohnzimmer an einem Tag freudig beteiligen und am nächsten Tag darüber schimpfen. Wenn wir das Versteckspiel vorm Zähne putzen an einem Abend lustig finden und am nächsten davon total genervt sind. Wenn wir es niedlich finden, wie das Baby seine Spaghetti mit den Fingern verschlingt und die große Schwester mit der Gabel essen muss und ja nicht kleckern darf.

Vieles kann man erklären, wenn zum Beispiel nach einer schlaflosen Nacht der Geduldsfaden sehr dünn ist und man wegen Kleinigkeiten rumbrüllt. Kommen diese Unstimmigkeiten allerdings zu oft vor, werden wir von unseren Sprösslingen irgendwann nicht mehr ernst genommen. 

Kinder brauchen Vertrauen

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Kinder brauchen Vertrauen in ihre Fähigkeiten – aus beiden Richtungen. Höre ich am Spielplatz Sätze wie „Das kannst du noch nicht“ oder „Dafür bist du noch zu klein“, stellen sich mir jedes Mal die Nackenhaare auf. Ich vermeide diese Sätze oder sage zumindest „Da musst du noch wachsen, das kannst du dann nächstes Jahr“. 

Wer ständig damit konfrontiert wird, was er alles noch nicht kann, fühlt sich klein und hilflos. Wenn wir den Fähigkeiten unserer Kinder vertrauen, wächst damit auch ihr eigenes Selbstvertrauen. Jedes Problem, das sie selber gelöst haben, jede neue Aufgabe, die sie gemeistert haben, jedes Spiel, das sie selbst erfunden haben, hilft ihnen zu wachsen und reifen.

Nicht nur einmal haben uns unsere Kinder damit überrascht, dass sie Dinge doch schon konnten, mit denen wir erst in einigen Monaten oder sogar Jahren gerechnet hätten – einfach nur, weil wir sie machen ließen. Und wenn sie es wirklich noch nicht können, sollten sie auch diese Erfahrung selbst machen dürfen. 

Kinder brauchen Vorbilder

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Dass Kinder durch Nachahmung lernen ist hinlänglich bekannt. Dass Kinder auch durch Nachahmung lernen, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind, haben vielleicht nicht alle Eltern auf dem Radar

Kinder schauen uns ALLES ab: Wie und worüber wir sprechen, was wir essen, wie wir uns kleiden, wie wir unsere Gefühle ausdrücken und wie wir andere Menschen und uns selbst behandeln. Das Deutsche Redaktionsnetzwerk berichtet über eine aktuelle Studie aus den USA, dass sogar schon Babys Fremden eher vertrauen, die sie zuvor in Gesellschaft ihrer Eltern gesehen haben.  

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, authentisch zu sein. Wenn wir unseren Kindern predigen, dass Zähne putzen, Gemüse essen und Bewegung an der frischen Luft gesund und wichtig sind, sollten wir auch nicht ständig Chips futternd auf der Couch liegen. Wenn wir traurig, genervt oder wütend sind, sollten wir uns das erlauben, ohne dabei völlig auszurasten. Und wenn wir von den Kindern nicht manipuliert, angeschrien, beschimpft, erpresst oder bedroht werden möchten, sollten wir das auch nicht tun

Kinder brauchen Grenzen

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Tja. Tun sie das? Dieses Thema wird in Fachkreisen wohl ebenso kontrovers diskutiert, wie vor 500 Jahren, ob sich die Sonne um die Erde dreht oder umgekehrt. Hier scheiden sich die Geister gewaltig. 

Wir folgen der Ansicht: Es gibt genug natürliche Grenzen. Durch künstlich gesetzte Grenzen wollen wir nicht noch mehr Frust erzeugen. Uns geht es nicht darum, unseren Kindern Grenzen zu setzen, sondern die Verantwortung für ihr Wohlergehen zu übernehmen. Mehr dazu hier: Kinder brauchen Grenzen – oder? Verantwortung vs. Machtmissbrauch

Kinder brauchen Führung

Ergo: Kinder brauchen in Wahrheit keine Grenzen, Kinder brauchen Führung. Und Orientierung.  Eltern wollen gerade bei pubertierenden Kindern zunehmend als bester Kumpel gesehen werden. Aber das sind wir nun mal nicht. Wir sind Eltern, die für das Wohlergehen unserer Kinder verantwortlich sind. In Wahrheit wollen selbst Teenager keine grenzenlose Freiheit, auch wenn sie vielleicht schon damit umgehen könnten. 

Um sich auf ihrem Weg tatsächlich frei und ungezwungen entfalten zu können, brauchen unsere Kinder Leitplanken, die wir im Lauf des Lebens mit ihnen abstecken. Von gemeinsamen Mahlzeiten bis zum deutlichen NEIN zu durchtanzten Nächten mit 15. Sie loten so lange aus, suchen diese Leitplanken so lange, bis sie ein Stop von uns hören – und sich damit auskennen. 

Fazit: Sind wir perfekte Eltern?

In den Augen unserer Kinder sind wir perfekt! Sie erleben uns Eltern als absolut unfehlbar, allwissend, allmächtig, unfassbar stark und alles könnend. In Wahrheit fühlen sich Eltern aber gerade beim ersten Kind immer wieder unsicher oder überfordert – was auch gut ist. Denn der Erziehungsgedanke wandelt sich zunehmend.

War in den frühen meist patriarchalischen Verhältnissen das Wort des Vaters noch Gesetz, reflektieren Eltern ihr Verhaltensweisen heutzutage viel stärker. Holen sich Rat im Internet, in Fachbüchern, bei Freunden oder Experten. 

Wer weiß, dass es ok ist, Fehler zu machen und nicht immer alles richtig entscheiden zu müssen, steht plötzlich nicht mehr unter dem Leistungsdruck der Perfektion. Wenn wir zuerst nachdenken, nachfragen, und uns dann so eine Meinung bilden, auf Basis derer wir entscheiden, vermitteln wir unseren Kindern Problemlösungskompetenz, die das Selbstbewusstsein stärkt. Leben wir ihnen vor, dass man auch mal falsch liegen kann, sogar als allwissender Erwachsener. Und dass das so sein darf. Fehler müssen nicht vertuscht werden, sie spornen zu Kreativität und Flexibilität an

Wenn wir unsere Kinder also das nächste Mal anschreien oder genau diese Sache tun, die wir tunlichst vermeiden wollten, gehen wir am besten nicht zu hart ins Gericht mit uns selbst. Sondern überlegen in kleinen unperfekten Schritten, wie wir es das nächste Mal besser machen können. 

Denn wichtig ist nur eines: Bei all den Versuchen, die Beziehung zu unseren Kindern bestmöglich zu gestalten, dürfen wir eines nie außer acht lassen: Dass wir auch in der Familie alle nur Menschen sind. Menschen, die Fehler machen, die jeden Tag dazu lernen, die sich unsagbar lieb haben und die sich gegenseitig verstehen und verzeihen können.

So sind wir vielleicht nicht perfekt – aber irgendwann nahe dran. 

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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