So findet ihr den richtigen Kinderwagen – Test, Checkliste und Erfahrungen
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So findet ihr den richtigen Kinderwagen – Test, Checkliste und Erfahrungen
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Ein guter Kinderwagen kostet eine schöne Stange Geld. Wer beim Kinderwagen Kauf spart, tut dies allerdings am falschen Fleck, denn ein guter Kinderwagen ist sein Geld (meist) echt wert! Aber wie findet man den richtigen Kinderwagen?

Mein erster Gedanke beim Kinderwagen Kauf: Alter Falter! Für den Preis eines neuen Kinderwagens kann ich zwei Wochen in Griechenland Urlaub machen (allerdings nur ohne Kinder wie ich erst vor kurzem feststellen musste)! Und das ist noch nicht mal das teuerste Modell!

Allein aus Kostengründen solltet ihr euch daher gut überlegen, welcher Kinderwagen der Richtige ist. Denn danach noch einen zu kaufen, weil der erste nicht passt, wäre absoluter Irrsinn.

Die Flut an Kinderwagen Tests, die im Internet zu finden sind, erleichtert die Entscheidung bereits ein wenig. Trotzdem kommt ihr nicht drum herum, euch auf dieser Grundlage eine eigene Meinung zu bilden.

Außer, ihr entscheidet euch, keinen Kinderwagen zu kaufen…

Braucht ein Baby einen Kinderwagen?

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Ich stell das jetzt mal ganz frech in Frage. Der Kinderwagen steht absichtlich nicht auf unserer Erstaustattungs-„Was braucht ein Baby wirklich“-Liste. Eine Freundin von mir hat beschlossen, sich bei ihrem ersten Kind keinen Kinderwagen zuzulegen. Grundsätzlich eine sehr gute Idee, denn ein Menschenkind ist ein Tragling, kein Schiebling.

Trotzdem: Ich bewundere sie dafür! Ein Kinderwagen ist so ein fester Bestandteil im Leben mit Kind, dass ich gar nicht auf die Idee kam, keinen zu kaufen! Aber natürlich, es geht auch ohne! Und wenn man wie sie damals noch im vierten Stock ohne Lift wohnt, ist ein Kinderwagen eigentlich nur unnötiger Ballast, den man mitschleppen muss.

Bei unserem ersten Kind habe ich das noch wie meine Mama gesehen. Sie meinte, ein Kinderwagen ist das Herzstück des Baby-Lebens. Darin schläft es, isst es und erkundet die Welt. Und deshalb möchte sie ihn uns gerne schenken. Ich sagte nicht nein. Und ich war froh darüber. Denn im Kinderwagen wird nicht nur das Baby transportiert sondern auch die 257 Kilogramm an Zeug, die man sonst noch so braucht.

Und nachdem ich gesehen habe, was die guten Stücke kosten, sagte ich noch weniger nein.

Test: So findet ihr den perfekten Kinderwagen

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Surft man durch die Webseiten der Kinderwagen Anbieter liest man Schlagwörter wie „Funktionalität trifft Design“ oder „höchster Komfort bei praktischer Handhabung“. Hört sich alles gut an, aber worauf kommt es beim Kinderwagen Kauf jetzt wirklich an? Über diese Fragen solltet ihr euch im Klaren sein, bevor ihr euch in den Kinderwagen-Kaufwahnsinn stürzt:

  • Wo werdet ihr den Kinderwagen am meisten verwenden? Im Gelände/auf Kopfsteinpflaster oder auf Asphalt?
  • Werdet ihr damit viel in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein?
  • Wo wird der Kinderwagen stehen, wenn er gerade nicht in Verwendung ist?
  • Muss der Kinderwagen in einen Kofferraum passen?
  • Seid ihr lieber mit Wickel-Tasche oder -Rucksack unterwegs?
  • Welche Personen werden den Kinderwagen schieben?
  • Müsst ihr viel bergauf und bergab fahren?
  • Wollt ihr mit dem Kinderwagen joggen gehen?
  • Welches Budget habt ihr für den Kinderwagen?

Checkliste: Auf diese Dinge solltet ihr beim Kinderwagen Kauf achten

  • Verwendet ihr den Kinderwagen viel im Gelände, auf Kopfsteinpflaster oder beim Sport: Gute Federung und fixe, große luftgefüllte Räder; eventuell nur drei Räder, die sind super geländegängig, auf Gehsteigkanten allerdings sehr kipp-gefährdet.
  • Verwendet ihr den Kinderwagen viel in der Stadt und zum Einkaufen: Hartgummi-Räder und schwenkbare Vorderräder für einen engen Wendekreis.
  • Verwendet ihr den Kinderwagen viel in öffentlichen Verkehrsmitteln oder parkt er in einer kleinen Wohnung: Möglichst geringe Größe durch z.B. eine einklappbare Griffstange.
  • Seid ihr viel mit dem Auto unterwegs: Passt der Kinderwagen in den Kofferraum, könnt ihr ihn ohne Probleme hinein heben und lässt er sich mit einer Hand (!) aufklappen? Manche Kinderwägen haben einklappbare Räder – besser sind die nicht einklappbaren, da sich der Kinderwagen leichter in den Kofferraum rollen lässt (und dabei nicht so viel Dreck runter fällt).
  • Abziehbare und maschinenwaschbare Stoffe in dankbaren Farben. Wenn ihr es gerne bunt habt, könnt ihr euren Kinderwagen mit farbigem Spielzeug und Decken aufpeppen.
  • Ein durchgehender Griff, damit ihr den Kinderwagen mit einer Hand lenken könnt (weil man oft das Kind in der anderen Hand trägt, wenn im Kinderwagen sitzen mal wieder keine Option ist….).
  • Höhenverstellbarer Griff, falls mehrere Personen verschiedener Größe damit fahren.
  • Möglichkeit, Wickeltasche oder Rucksack am Griff zu befestigen ohne dass der Kinderwagen kippt (auch ohne Kind als Gegengewicht darin).
  • Platz für zusätzliche Haken (Jacken, Trinkflaschen, Sandspielzeug-Sack, Einkaufstasche, etc. könnt ihr dann auch am Kinderwagen befestigen).
  • Stabiles, geräumiges Netz unter dem Kinderwagen, ihr werdet staunen, was ihr da alles verstauen müsst.
  • Kontrastreiche Musterung im Inneren – so sind auch schon die Kleinsten mit Schauen beschäftigt.
  • Getränkehalter (äußerst praktisch, beim Kinderwagen für die Mamas, beim Buggy für die Knirpse, die sich ihre Wasserflasche dann schon selber schnappen können).
  • Drehbare Sitzfläche oder schwenkbarer Griff, damit das Kind in und gegen die Fahrtrichtung schauen kann.
  • Handbremse, falls ihr viel bergab fahren müsst – ansonsten ist sie aus unserer Sicht nicht notwendig. Eine gute Feststellbremse, die mindestens zwei Räder blockiert, ist natürlich Voraussetzung.
  • Befestigungs-Adapter für die Babyschale, um das schlafende Baby mühelos vom Kinderwagen ins Auto und umgekehrt zu verfrachten (Achtung: Babys sollten sobald wie möglich wieder aus der Babyschale befreit werden; das sorgt für mehr Bewegungsfreiheit und schont die Wirbelsäule).

Die Kaufkriterien für den Buggy sind dieselben wie für den Kinderwagen. Bezüglich Sicherheit und Schadstofffreiheit haltet euch am besten an unabhängige Kinderwagen Tests (z.B. Stiftung Warentest, ÖKO-Test) oder an zertifizierte Gesundheitssiegel (z.B. OEKO-TEX).

TIPP
Viele Kinderwagen-Shops bieten an, den Kinderwagen vor dem Kauf Probe zu fahren. Nehmt dieses Angebot an. Ähnlich wie beim Auto muss sich das Fahren damit einfach gut anfühlen.

Beim Kauf unseres Kinderwagens stand für mich von Anfang an fest: Praktisch und stabil musste er sein. Auf Aussehen legte ich wenig Wert. Statt einer schicken Wickeltasche, die zum Kinderwagen passte, reichte für mich eine umfunktionierte große Reisetasche völlig aus. Das wichtigste an einer Wickeltasche ist ohnehin nur, dass sie stabile Haken und viele separate Fächer hat. So passt das ganze Zeug rein und man findet es wenn man es braucht. Falls ihr für eine schicke Wickeltasche* Geld ausgeben wollt: Bitte sehr!

Erst später blieb mir teilweise der Mund offen stehen, als ich die schicken Designer-Kinderwägen mancher ebenso hip gestylten Neu-Mamas sah. Hier war neben (!) dem Kind ein Extra-Platz für die Hand- bzw. Wickeltasche vorgesehen. Natürlich nur, damit Mama sich nicht bücken muss, um in das Netz unter dem Kinderwagen zu kriechen. Und nicht, damit jeder Passant sieht, ob darin eine Prada- oder Louis Vuitton-Tasche mitfährt.

Einmal traf ich mich mit zwei ebensolchen Neu-Mamas, die ich aus dem Pilates-mit-Baby-Kurs kannte. Neben ihren beiden gefühlt 2000-Euro-Kinderwägen kam ich mir mit meiner klobigen Kinder-Kutsche ziemlich schäbig vor. Dennoch würde ich ihn niemals eintauschen wollen!

Das machte unseren Kinderwagen so perfekt

Das-machte-unseren-Kinderwagen-so-perfekt

Wir entschieden uns für einen Kinderwagen von Hartan* und zwar den Hartan Sky GTX. Ich liebte diesen Kinderwagen über alles! Was da alles rein und drauf passte! Über welche Stein- und Wurzelwege dieser perfekt gefederte Kinderwagen holpern konnte! Er hatte einen Wendekreis wie ein Dressurpferd, kein Supermarktgang konnte ihm zu eng sein. Er ließ sich mit einem Handgriff aufklappen (sehr wichtig, weil auf der anderen Hand meist das Baby, die Einkaufstasche, das Geschwisterchen, Spielzeug, Handy oder was auch immer hängt).

Der gesamte Sitz ließ sich drehen, so konnten unsere Babys entweder zu uns oder in die Welt schauen. Etwas neidisch war ich auf eine meiner Freundinnen, die nicht die gesamte Sitzfläche mit Kind darin um 180° drehen, sondern einfach nur die Schiebestange auf die andere Seite klappen musste. Naja, dafür hab ich jetzt mehr Muskeln.

Unser Kinderwagen war ein sogenannter Kombi-Kinderwagen*, diese Wahl würde ich jedem empfehlen! Die Sitzfläche konnten wir komplett waagrecht stellen und darauf die gut gepolsterte Baby-Tragetasche platzieren. Als unsere Kleinen gut sitzen konnten (was meist zwischen 6 und 8 Monaten der Fall ist), stellten wir das Kopfende hoch, klappten das Fußende nach unten und wir hatten einen praktischen Sportflitzer.

Er hatte feststellbare Vorderräder, ein Umstand, der das Fahren auf Schotterstraßen, Tiergarten-Kies oder Spielplatz-Rindenmulch extrem erleichterte. Er war innen wunderschön gemustert, unsere Babys hatten immer was zu schauen. Und er kostete „nur“ 640 Euro.

Einziger Nachteil für Funktion und Stabilität: Nachdem der Kinderwagen ins Auto eingeladen wurde, war selbst unser riesiger Kombi-Kofferraum so gut wie voll. Deshalb unser Tipp: Vor dem Kauf unbedingt testen, ob das gute Teil auch ins Auto passt!

TIPP
Unverzichtbarer Bestandteil des Kinderwagens ist ein hochwertiger Fellsack*. Idealerweise aus Lammfell. Dessen Funktionalität konnte sogar ich als Vegetarier nicht widerstehen. Er wärmt im Winter und kühlt im Sommer (so sagt man zumindest, ich habe im Sommer noch nie einen Kinderwagen mit Fellsack gesehen). Er ist antibakteriell und muss bei diversen Verschmutzungen einfach nur abgebürstet werden. Idealweise hat der Fellsack einen Zip, um in der Übergangszeit die obere Hälfte zu entfernen.

Umstieg in den Buggy

Als-unser-Sohn-gut-ein-Jahr-alt-war-ersetzten-wir-den-Kombi-Kinderwagen-durch-einen-Buggy

Als unser Sohn gut ein Jahr alt war, ersetzten wir den Kombi-Kinderwagen durch einen Buggy (Sportwagen), der deutlich leichter und weniger sperrig ist. Wir hatten den Litetrax 4 DLX Air Sportwagen von Joie* und waren super zufrieden damit.

Mit dieser Meinung sind wir nicht alleine, auf das Modell trafen wir wirklich oft. Da passierte es nicht nur einmal, dass unsere Kinder im Zoo oder sonst wo auf der Suche nach Knabbereien zu „unserem“ Kinderwagen liefen und ich ihnen nachrufen musste: „Der gehört uns nicht, der sieht nur so aus wie unser Kinderwagen!“

Unsere Tochter wechselte bereits sobald sie sitzen konnte in den Buggy. Allerdings war dieser ebenfalls so bequem, geländegängig und stabil, dass beide Kinder weite Strecken damit fahren und auch darin schlafen konnten. Also auch hier: absolute Kaufempfehlung!

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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