Mit Kindern Wildkräuter sammeln: Tipps von der Expertin Eva-Maria Bernardon
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Mit Kindern Wildkräuter sammeln: Tipps von der Expertin Eva-Maria Bernardon

Uraltes Wissen: Beim Sammeln von Blüten, Blättern und Früchten entdecken Kinder die Vielfalt der Wildkräuter und lernen, die kostbaren Schätze von Mutter Erde sicher zu erkennen, zu schützen und zu nutzen.

In einer Welt, in der die Natur oft nur noch auf dem Bildschirm oder durch Glasfenster betrachtet wird, schwindet zunehmend die Verbindung zum Ursprünglichen. Gerade deswegen birgt das Sammeln von Wildkräutern mit Kindern eine unvergleichliche Magie. In der freien Natur an der frischen Luft unserem Sammler-Instinkt nachzugehen führt uns alle gemeinsam zurück an unsere Wurzeln, als die Menschen noch in Höhlen hausten – und es macht noch dazu irre Spaß!

Welche Wildkräuter man mit Kindern am besten sammelt, wo sie zu finden sind und worauf man beim Sammeln achten muss, haben wir Wildkräuter-Expertin Eva-Maria-Bernardon gefragt.

Warum sollte man mit Kindern Wildkräuter sammeln?

Aus meiner Sicht geht es gar nicht unbedingt darum, dezidiert mit Kindern Wildkräuter sammeln zu gehen. Wir sollten mit den Kindern einfach so viel wie möglich raus in die Natur, selbst ein breites Wissen über die verschiedenen Pflanzen haben und dieses den Kindern beibringen. Denn umso mehr sie wissen, desto mehr werden sie die Natur schätzen und damit auch schützen. Dies ist auch einer der Hauptgründe, aus denen ich meine Wildkräuterwanderungen anbiete – mir ist die Natur einfach super-wichtig! Die Menschen sollen wissen, was sie tagtäglich vor ihrer Haustüre sehen, ohne nur daran vorbei zu gehen – und lernen, dieses Wissen und die Pflanzen zu nutzen.

Aber Pflanzen im Jahreszyklus zu beobachten, Wildkräuter zu bestimmen und mit der Lupe zu betrachten kann in einem ersten Schritt genauso spannend sein, wie das letztendliche Sammeln und Verwerten.

Das kann überhaupt erst später ein Ziel sein. Der Anspruch „Wir müssen jetzt zwei Sackerl Bärlauch sammeln“ verursacht bei den Kindern nur Stress und kann ihnen die Freude am Entdecken nehmen.

Was braucht man, um mit Kindern Wildkräuter zu sammeln?

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Hummel auf einer Acker-Witwenblume; Foto: Eva-Maria Bernardon
  • Bequemes, stabiles Schuhwerk und passende Kleidung sollte klar sein (wenn ihr durch Brennnesseln streifen wollte, machen zum Beispiel lange Hosen Sinn)
  • Ein Körbchen oder einen Stoffbeutel. Kein Plastiksackerl, darin fangen die Kräuter schnell zu „schwitzen“ an (abgesehen davon sind sie natürlich schlecht für die Umwelt)
  • Ev. eine Lupe, um die Blüten, Blätter, Samenstände oder vielleicht auch Insekten auf den Pflanzen ganz genau betrachten zu können
  • Ev. ein Wildpflanzen-Bestimmungsbuch, um bei Unsicherheiten nachzuschauen bzw. je nach Alter den Kindern schon den Umgang mit Nachschlagewerken beizubringen

Außerdem noch Begeisterung für die Natur, denn die ist ansteckend. Wenn ihr unterwegs seid, und irgend etwas am Straßenrand entdeckt, nehmt es mit und erklärt den Kindern, was es ist, wie man es von anderen Pflanzen unterscheiden kann, die vielleicht ähnlich aussehen und dass man es zuhause in den Kräuter-Aufstrich, in die Suppe oder aufs Brot geben kann.

Gerade jetzt im März hat der Bärlauch Saison: Wie erkennt man Bärlauch? Die Unterseite ist matt, die Oberseite ist glänzend, die Blätter haben jedes einen eigenen Stiel und riechen nach Knoblauch. Allerdings muss man aufpassen, wenn man schon Bärlauch gesammelt hat, wird bald jeder Löwenzahn nach Knoblauch riechen, weil einfach die Finger danach riechen.

Und etwa ab Mitte April kann man Bärlauch mit dem gifitigen Maiglöckchen verwechseln – aber nur, wenn man nicht aufpasst. Denn Maiglöckchen-Blätter glänzen auf der Unterseite und sind auf der Oberseite matt, also genau umgekehrt. Das sind so „Geheimnisse“, wo ganz schnell das Interesse der Kinder geweckt werden kann. Aber lasst eure Kinder bitte trotzdem nicht alleine Bärlauch sammeln!

Welche Wildkräuter sind für Kinder einfach zu erkennen?

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Giersch, Spitzwegerich, Wiesensalbei, Königskerze, Gänseblümchen, Gundelrebe, Löwenzahn, Efeu-Ehrenpreis; Foto: Eva-Maria Bernardon

Einfach zu erkennen ist immer so relativ. Ich hab auch schon bei Erwachsenen erlebt, dass sie ein Veilchen und ein Leberblümchen nicht auseinander halten konnten, weil die Blüte dieselbe Farbe hat. Diese Achtsamkeit muss man einfach trainieren, das wird mit der Zeit immer besser.

Am Anfang würde ich mit Kindern Wildkräuter sammeln, die auch im Fall einer Verwechslung wenig Schaden anrichten können. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Löwenzahnblüten und -blätter: Verwechslungsgefahr besteht nur mit Huflattich oder Ferkelkraut, das ist alles ungefährlich. Und die Pusteblume mit den gezackten Blättern kennt fast jedes Kind.
  • Veilchenblüten: duften herrlich und machen sich gut im Salat, auf Suppen oder in Aufstrichen
  • Gänseblümchen: Blüten können roh gegessen werden, entweder direkt auf der Wiese oder auf dem Butterbrot, im Salat oder auf der Suppe
  • Malvenblüten: von hochgewachsenen Pflanzen können hier auch Blätter mitgenommen werden, ebenfalls für Suppe, Smoothie, Kräuterbutter, Kräutersalz oder Aufstrich
  • Taubnesseln: sind ein Hummelmagnet und fallen durch ihre lila, weißen oder gelben Blüten auf, die roh, im Salat oder auf dem Brot süßlich schmecken; ähneln ein bisschen der Brennnessel, tun aber nicht weh
  • Lindenblätter: können von nur einem Baum gesammelt werden (deshalb keine Verwechslungsgefahr) und schmecken als junge Blätter supergut im Salat
  • Schafgarbe: die Blätter sind ziemlich unverwechselbar (werden auch „Augenbraue der Venus“ genannt) und ideal für Kräutersalz, da sie alleine für Kinder wahrscheinlich zu bitter schmeckt
  • Spitzwegerich-Blätter: dank ihrer auffälligen Form ebenfalls leicht zu erkennen (und vielleicht schon von Hustensaft oder -bonbons bekannt)

Trotzdem: wenn ihr mit Kindern Wildkräuter sammelt, und auch wenn ihr nur durch die Natur streift, solltet ihr unbedingt immer dabei sein, denn es gibt einfach giftige Pflanzen, die man nicht einmal angreifen sollte.

Ebenfalls ein guter Tipp: Immer das ganze Blatt abzupfen. Wenn man nur einen Schnipsel davon hat, kann man diesen oft nicht mehr identifizieren – und Teile von einem Blatt abzureißen ist auch für die Pflanze nicht gut.

Was können Kinder mit Wildkräutern machen?

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Taubnessel- und Ehrenpreis-Blüten und Wildkräuter-Pesto auf Brot, Foto: Eva-Maria Bernardon

Die Verwendung von Wildkräutern ist sooooo vielfältig! Ich möchte hier nur einige Beispiele aufführen, die auch für Kinder interessant sein können:

  • Spitzwegerich: Zerdrückte Blätter auf Insektenstichen lindern Schmerz und Juckreiz, Blätter und Samen kleingehackt im Risotto schmecken nach Champignons, getrocknete Samen sind eine gesunde Salat-Würze im Winter
  • Schafgarbe: wirkt wundheilend und entzündungshemmend bei kleinen Schrammen auf dem Spielplatz, heißt auch „Soldatenkraut“
  • Holunderblüten: lassen sich zu Sirup, Tee oder Chili weiter verarbeiten
  • Gundermann/Gundelrebe: die herzförmigen Blätter schmecken besonders lecker in flüssige Schokolade getunkt
  • Giersch: gehört zu den gesündesten Wildkräutern überhaupt und schmeckt zum Beispiel statt Petersilie auf den Kartoffeln
  • Klettenlabkraut: klebt lustig an Fingern und Kleidung und ist ebenfalls voll wertvoller Inhaltsstoffe

Ansonsten eignen sich im Prinzip alle Wildkräuter zum Trocknen für Tee, zum Mischen für Pesto, Aufstriche und Kräutersalz, zum Verfeinern von Salaten und Suppen oder einfach kurz angebraten oder püriert zu Nudeln, Kartoffeln, Reis, etc.

Man sollte auch aus der Natur immer nur so viel mitnehmen, dass man es auch verwerten kann, damit nichts weggeschmissen werden muss. Da wäre sonst einfach schade drum. Und das Verwerten braucht auch seine Zeit, die sollte man gleich mit einkalkulieren. In ein feuchtes Tuch gewickelt halten Wildkräuter 1-2 Tage im Kühlschrank, aber idealerweise verwertet man sie noch am selben Tag.

Diverse Blätter und Blüten sind außerdem ideal zum Basteln, fürs Färben von Ostereiern, für Blütenkränze oder für Blätterbilder – oder auch als hübscher kleiner Blumenstrauß in der Vase.

Wo sammelt man mit Kindern Wildkräuter am besten?

Idealerweise in einem Wald oder auf einer Wiese, wo keine oder kaum Hunde unterwegs sind, und wo keine Tollwut vorkommt. Das wird normalerweise ausgeschildert. Bevorzugt auf Schrägen bzw. Hängen, weil es dort für die Tiere unbequem ist, ihr Geschäft zu verrichten. Es gibt auch immer wieder Parks, in denen keine Hunde erlaubt sind, oder eingezäunte Schwimmteiche oder ähnliches.

Außerdem unbedingt abseits von Straßen, vor allem wenn es sich um Blüten handelt. Die Blätter kann man ja im Fall abwaschen, bei den zarten Blüten würde zu viel verloren gehen.

Am besten sammelt man mit Kindern Wildkräuter auf einem Weg, den man öfter geht, weil dann schon bekannt ist, welche Pflanzen dort wachsen. Sicherheitshalber beobachtet man die Kinder noch beim Sammeln, damit sie nichts Giftiges oder Ungenießbares erwischen können.

Zu welcher Jahreszeit kann man welche Wildkräuter sammeln?

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Malvenblüte; Foto: Eva-Maria Bernardon

Zu jeder Jahreszeit! Außer wenn Schnee liegt, dann wird’s etwas schwierig. Es gibt zwar auch Frühblüher, oder Pflanzen, die den Winter überstehen, und die man auch unterm Schnee noch findet, wie zum Beispiel die Brennnessel oder Brombeerblätter. Aber der Klassiker sind natürlich im Frühling und Sommer Blüten und Blätter und im Herbst die Blätter und Früchte von Büschen und Sträuchern. Je mehr man von einer Pflanze sieht (also von Blatt, Blüte, Frucht und Samen), desto leichter ist auch die Bestimmung.

Gibt es Regeln für das Sammeln von Wildkräutern?

In Österreich gibt es für jedes Bundesland Extra-Regeln zum Sammeln von Wildkräutern. Dazu gehören:

  • Bestimmte Pflanzen stehen unter Naturschutz und dürfen gar nicht oder nur in geringem Ausmaß gepflückt bzw. ausgegraben werden (zum Beispiel Schlüsselblume, Leberblümchen, Ehrenpreis oder Lungenkraut)
  • Auf dem eigenen Grundstück darf alles gesammelt werden, sobald das Grundstück jemand anderem gehört darf nur für den Eigengebrauch gesammelt werden.
  • In manchen Regionen, die als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, darf generell nicht gesammelt werden – da gibt es in den meisten Fällen Hinweistafeln.

Ansonsten herrschen die Regeln der Natur:

  • Nur so viel nehmen, wie man auch verarbeiten kann.
  • Nur so viel nehmen, dass die Pflanze weiterbestehen kann (zwei Drittel stehen lassen)
  • Nur so viel nehmen, dass für die Tiere noch genug da ist (nicht alle Haselnüsse, Schlehen, Sanddorn-Früchte oder Hagebutten pflücken und nicht alle Holunderblüten abschneiden, damit daraus auch noch Beeren werden können)

Worauf ist sonst noch zu achten?

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Hahnenfuß, Storchenschnabel, Ehrenpreis, Knoblauchsrauke; Foto: Eva-Maria Bernardon

Ihr solltet die Pflanze unbedingt eindeutig identifizieren können und im Zweifel stehen lassen. Oft hilft auch, ein paar Wochen zu warten, bis sich zum Beispiel dann die Blüte oder im Herbst die Frucht entwickelt hat, damit man sicher sein kann, dass man das Richtige erwischt hat. Und dies auch den Kindern beibringen.

Der Vollständigkeit halber:

Giftnotruf in Deutschland: 030 192 40
Giftnotruf in Österreich: 01 406 43 43
Giftnotruf in der Schweiz: 145

Und nach dem Wildkräuter sammeln auf jeden Fall Zeckenkontrolle!

Welches ist dein Wildkräuter-Lieblings-Rezept?

Das ist echt schwierig! Ich sammle alle möglichen Wildkräuter und Blüten für Teemischungen für mich selber oder zum Verschenken. Da mische ich dann nicht nach Rezept, sondern je nach Bedarf. Ansonsten liebe ich Wildkräuter-Pestos mit gerösteten Sonnenblumenkernen oder wie jetzt zu Ostern die Neun-Kräuter-Suppe, die am Gründonnerstag gekocht wird. Das ist eine richtige Kraftsuppe mit uralter Tradition, die eben aus 9 verschiedenen Kräutern besteht. Welche das sind, ist Geschmacksache, aber die Klassiker sind Brennnessel, Giersch, Vogelmiere, Löwenzahn, Spitzwegerich, Wiesenlabkraut, Sauerampfer, Taubnessel, Frauenmantel, Bärlauch oder bekannte Küchenkräuter wie Brunnenkresse, Schnittlauch, Thymian, Kerbel und Petersilie.

Wie sieht dein Angebot zu Wildkräutern aus? 

Ich veranstalte im Raum Wien regelmäßig Kräuterwanderungen, zu denen sich jeder anmelden kann, der Interesse hat. Aber auch für Familien oder Schulklassen, habe ich schon spezielle Wildkräuter-Wanderungen zusammengestellt. Auf Wunsch komme ich zu euch in euren Garten und wir machen dort eine kleine „Wildkräuter-Wanderung“ und hängen vielleicht auch noch gleich einen Koch-Workshop an. Da sind nahezu keine Grenzen gesetzt.

Am besten ihr informiert euch auf meiner Website „Body meets Soul“ oder auf meinem Instagram-Profil über meine Angebote und aktuelle Termine. Oder ihr kontaktiert mich einfach und ich kann euch gesondert ein Angebot erstellen. Ich freu mich drauf!

Über Eva Maria Bernardon

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Foto: Eva-Maria Bernardon

Eva Maria Bernardon ist akademische Sport- und Fitnesstrainerin, diplomierte Ernährungstrainerin und Kräuter-Pädagogin. Seit ihrer Kindheit liegt ihr die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren am Herzen. Eva lebt vegan und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit unterschiedlichsten Themen in den Bereichen Gesundheit, Fitness und Ernährung. Ihre Naturverbundenheit führte sie auch zu unseren heimischen Wildkräutern, deren wertvolle Inhaltsstoffe ein unglaubliches Potenzial beherbergen. Das Wissen um die kostbaren und dennoch kostenlosen Schätze der Natur gibt sie auf ihren Wildkräuter-Wanderungen und ihren veganen Wildkräuter-Kochworkshops weiter.

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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