Keine Kraft mehr? 8 Tipps für kurze Auszeiten als Mama und Papa
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Keine Kraft mehr? 8 Tipps für kurze Auszeiten als Mama und Papa
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Es kann leider nicht immer die Sonnenliege am Meer sein. Mit lärmenden Kiddies, die alle zwei Minuten „Maaaamaaaa!“ rufen ist leider auch tagträumen höchstens was für Meditations-Profis. Aber trotzdem gibt es sie, die kleinen lebensrettenden Auszeiten zwischendurch, man muss sie nur finden.

Tatsächlich: In meinem ganzen Leben war ich noch nie so nahe am Burnout wie in meiner Karenz.

  • Da gab es Momente, da wollte ich mich am liebsten in einem finsteren Kasten einsperren um nichts und niemanden mehr hören oder sehen zu müssen.
  • Da gab es tränenreiche Nervenzusammenbrüche vor meinen Schwiegereltern im Zoo.
  • Da gab es Tage, an denen mir vor Müdigkeit schlecht war und weiße Punkte vor meinen Augen tanzten.
  • Da gab es Abende, an denen ich nicht wusste, woher ich die Kraft nehmen sollte, am nächsten Tag aufzustehen.

Und trotzdem bin ich noch hier und in keiner Nervenheilanstalt. Trotzdem sind meine Kinder gesund und fröhlich und bestens umsorgt. Ich sage es gern mit den Worten meiner Mama, der es damals als ebenfalls Selbständige mit zwei Kindern ähnlich ging: Es geht immer irgendwie!

Und mit der Gewissheit, dass es andere noch mühsamer haben als ich und die es auch schaffen. Immerhin haben wir weder finanzielle Probleme noch familiäre Streitigkeiten, unsere Kinder sind gesund und wir leben in einem absolut sicheren Umfeld.

Dieser Gedanke war unter anderem ein Grund, diesen Blog zu schreiben. Ich möchte euch versichern: Wir sitzen alle im selben Boot, wir kochen alle nur mit Wasser, wir erleben alle unsere Höhen und Tiefen und wir sind alle nur Eltern, die das Beste für unsere Kinder wollen und uns dafür den A…. aufreißen, komme was wolle!

Warum brauchen Eltern so dringend eine Auszeit?

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Wie oft fragte ich mich, warum ich so fertig bin. Am Anfang wusste ich es selbst nicht. Was kann daran so anstrengend sein, den ganzen Tag mit den Kindern zu spielen? Spazieren zu gehen? Ihnen am Spielplatz beim Rutschen und Schaukeln zuzusehen?

In den Ferien knozen wir sogar des Öfteren bis halb neun im Bett, denn meine Kinder sind Gott sei Dank Langschläfer und werden oft vor 8 Uhr morgens nicht wach. Was also verursacht dieses Gefühl, im Hamsterrad gefangen zu sein und keinen Ausweg zu finden?

Das Stammhirn wittert ständig Gefahren

Eine Freundin öffnete mir die Augen: Mein Steinzeit-Hirn ist dauernd in Alarmbereitschaft ob der möglichen Gefahren, die meine Sprösslinge bedrohen könnten. „Das hat die Natur so eingerichtet“ würde mein Großer sagen.

Und recht hatte sie. Damals, als wir noch in Höhlen wohnten, lebten giftige Tiere unterm Bett und hinter jedem Felsen konnte ein Säbelzahntiger lauern. Mittlerweile gibt es zwar keine Säbelzahntiger mehr, aber Autos, oder Hunde, böse Menschen oder andere Kinder, die ebenso gefährlich werden könnten. Und das hält den Adrenalinspiegel hoch – PERMANENT!

„Ich bin kein Oktopus“

Diesen Satz sage ich gefühlt 15 mal am Tag zu meinen Kindern, wenn mal wieder alles auf einmal gehen soll und zwar gleich jetzt sofort.

Essen muss auf den Tisch, aber es darf nicht mehr heiß sein. Löffel und Strohhalme fehlen. „Mama, ich bin fertig!“-Ruf vom Klo. Geschrei, weil Kopf am Tisch auf der Suche nach dem heruntergefallenen und alles überschwemmenden Trinkbecher angeschlagen. „Mama, Tatuch!“ Nudelwasser geht über. Der Postbote läutet an der Tür.

Klingt übertrieben, aber die Situation ist mir tatsächlich genau so schon passiert.

Ich bin sehr dafür, dass einer Frau nach der Entbindung nicht nur die Brüste wachsen, sondern auch eine dritte oder vierte Hand. DAS hätte die Natur einrichten sollen!

Achja, und klonen wär übrigens auch cool!

Kinder sind LAUT

Am Arbeitsplatz überprüft die Gesundheitsinspektion regelmäßig die Lärmbelastung der Mitarbeiter. Sobald diese einen gewissen Wert überschreitet, müssen Maßnahmen ergriffen werden. Abstellen der Lärmquelle, Errichtung von Schallschutz oder verpflichtende Verwendung von Gehörschutz kann dann die Folge sein. Lärm verursacht nämlich Stress.

Mich würde interessieren, wieviele Dezibel Mama und Papa an einem durchschnittlichen Tag aushalten müssen. Ein weiterer Faktor, der mehr so nebenher belastet und erst auffällt, wenn die Kinder am Abend schlafen und es plötzlich still ist im Haus. Oh diese himmlische Ruhe!

Schlafmangel als Dauerzustand

Ich weiß nicht, wie das bei euren Kindern ist, aber unsere haben es nicht so mit dem Durchschlafen….. Daraus folgt, dass ich seit unsere Tochter auf der Welt ist (nun fast 3 Jahre) die Nächte, in denen ich durchgeschlafen habe, an einer Hand abzählen kann. Es waren zwei, maximal drei. Siehe auch „Sooooo müde – unser Protokoll einer Nacht mit Kids“.

Die Chance, 7 Stunden oder mehr durchzuschlafen, verhält sich nämlich verkehrt proportional zur Anzahl der Kinder. Kurz: Je mehr Kids, desto weniger Schlaf. Schon bei unseren beiden Kindern geht die Wahrscheinlichkeit, dass beide bis zum Morgen ohne Mucks in ihrem Bett verweilen, gegen Null.

Mehrfachbelastung und gesellschaftlicher Druck tun ihr Übriges

Eltern sind keine Maschinen! Und dennoch wird oft von ihnen verlangt, rund um die Uhr zu funktionieren. Und das noch dazu auf mehreren Ebenen. Kinder, Partner, Haushalt, Job, Familie, Freunde will alles unter einen Hut gebracht werden. Und dabei immer gut aussehen, freundlich sein und lächeln bitte schön – wie kann jemand bei diesen Anforderungen auf Dauer NICHT durchdrehen? Ebenfalls Stress pur!

All diese Faktoren tragen zu einem ständig erhöhten Level an Stresshormonen bei und dieser macht Kinderbetreuung so anstrengend.

Im Alltag mit Kindern ist deshalb vor allem eines wichtig: Kümmert euch IMMER zuerst um euch selbst!

Das beste Beispiel ist die Notsituation im Flieger. Zuerst musst du dir als Erwachsener die Sauerstoffmaske aufsetzen, damit du sie dann deinen Kindern aufsetzen kannst. Denn ohne Sauerstoff sind die Eltern verloren – und ohne Eltern sind die Kinder verloren.

Kinder haben so feine Antennen, sie merken sofort, wenn die Eltern gestresst, nervös, unentspannt oder sonst wie genervt sind. Das Fiese daran: sie werden selber anstrengend, verhalten sich sofort absolut unausstehlich, weil sie die schlechte Stimmung spüren und gnadenlos widerspiegeln. Dies führt wiederum zu noch mehr Stress und noch weniger Geduld bei den Eltern. Ein Teufelskreis, dem es schleunigst zu entkommen gilt!

So könnt ihr als Eltern zwischendurch kurz entspannen

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Hier sind sie nun: meine 8 Tipps für Auszeiten als Mama und Papa, die manchmal echt lebensrettend sein können.

Aktivitäten auslagern und Hilfe annehmen

  • Liefern lassen statt selbst einkaufen und kochen
  • Eine Putz- und/oder Haushaltshilfe beschäftigen
  • Keine Angst vor bezahlten Babysittern (zugegeben, dazu habe ich mich noch immer nicht durchringen können)
  • Die Kids 10 Minuten länger vorm Fernseher sitzen lassen, weil man gerade DRINGEND eine Pause braucht
  • Den Partner bitten, am Heimweg das Paket abzuholen
  • Die Kinder mit den Großeltern ALLEINE in den Zoo schicken (somit auch keine peinlichen Nervenzusammenbrüche mehr 😉 )

Musste ich alles lernen, mittlerweile bin ich auf dem Weg zum Profi!

Bewusst Entspannung über Pflichterfüllung stellen

Heute verschiebe ich Abwasch und Abendarbeit auf morgen, kuschle mich stattdessen mit einem Glas Wein auf die Couch und schaue meine Lieblingsserie völlig ohne schlechtes Gewissen. Tut unglaublich gut!

Sich selbst verwöhnen

Die besondere Tasse Tee am Morgen. Das kleine Stück Schokolade nach dem Mittagessen. Die teure Körperlotion am Abend nach dem Duschen. Die hübschen Ohrringe nur für den Einkauf oder den Spielplatz. Oder einfach mal weit vor Mitternacht schlafen gehen. Alles Kleinigkeiten, die bewusst genossen Freude bereiten und damit helfen, den Stresspegel zu senken.

Entspannung essen und trinken

Apropos Tasse Tee am Morgen. Wunderbar entspannend wirken zum Beispiel Kräutermischungen aus:

  • Baldrian
  • Kamille
  • Melisse
  • Orangenblüten oder -schalen
  • Rosenblüten
  • Brombeerblätter
  • Hopfen
  • Johanniskraut

Auch manche Nahrungsmittel können laut TCM (traditionell chinesischer Medizin) dazu beitragen, die Nerven zu bewahren und den Geist zu beruhigen, darunter zum Beispiel:

  • Cashew-Nüsse
  • Haferflocken
  • Honig
  • Kichererbsen
  • Mungobohnen und deren Sprossen
  • Rosinen
  • Rote Beete (Rote Rüben)
  • Tomaten
  • Weintrauben
  • Zitrone

(Quelle: www.ernaehrungsberatung-wien.at)

Den Kindern beim Planschen zuschauen

Baden eure Kinder gern? Unsere sind richtige Wasserratten. Egal ob im Sommer im Planschbecken oder im Winter in der Badewanne: mit Bechern, Röhren, Kübel und Plastiktieren könnten sie wohl stundenlang planschen und brauchen sonst nichts und niemanden!

Der „Nachteil“ daran ist, man muss ständig daneben sitzen und aufpassen. Die perfekte Ausrede, um an einem heißen Sommertag die Füße hochzulagern oder ins kühle Nass zu stecken? Die perfekte Ausrede, um nichts zu tun? Die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten!

Unter einem Baum liegen

Wann seid ihr zum letzten Mal im Gras gelegen und habt in eine Baumkrone geschaut? Beobachtet, wie sich die Äste im Wind wiegen? Dem Rauschen zugehört, dass sogar etwas ans Meer erinnert, wenn man die Augen schließt? Kopf frei werden lassen und genießen! 5 Minuten reicht!

In dieselbe Kategorie fallen übrigens 5 Minuten meditieren vorm Schlafengehen oder 5 Minuten einfach nur atmen – bewusst E I N und A U S, am besten, während die Kinder schon schlafen, in der Badewanne oder vorm Fernseher sitzen. Und apropos Fernseher:

Filme aus der eigenen Kindheit schauen

Vor ein paar Tagen schaute ich mit unseren Kindern „In einem Land vor unserer Zeit“. Als ich ein Kind war, habe ich den Film geliebt. Manche Passagen konnte ich immer noch auswendig.

Gemeinsam mit den eigenen Kindheitserinnerungen die Reaktionen unserer Großen zu beobachten – die weiten Augen beim Anblick des furchterregenden Scharfzahn, die geballten Fäuste beim Kampf zwischen Cera und Littlefoot und das erleichterte Lächeln, als die Sonnenstrahlen das Große Tal erhellten – löste richtige Glücksgefühle aus!

Reden, Reden, Reden

In meinem Angestellten-Job hatte ich regelmäßig Meetings. Und Mittagessen mit Kollegen. Und Kaffeepausen. Da konnte ich Erfolge und Erfahrungen teilen, Rat einholen, lästern und jammern. Dieser Austausch fehlt mir in meinem jetzigen Job namens Kinderbetreuung.

Deshalb versuche ich, mich auf verschiedenstem Weg so oft es geht mit anderen Müttern zu unterhalten. Jedes Mal ein Win-Win! Deshalb schreiben wir übrigens (auch) diesen Blog. Und deshalb bist du wohl hier.

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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