10 Tipps, wir ihr mit Kindern pünktlich außer Haus kommt
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10 Tipps, wir ihr mit Kindern pünktlich außer Haus kommt

Je mehr wir stressen, desto länger lassen sich die lieben Kleinen Zeit. Mit unseren 10 Tipps zum Aufbruch ist hoffentlich Schluss mit „Jetzt mach doch mal“!

Unsere Kinder sind absolute Meister im morgendlichen Zeitschinden. Auch wenn ich keinen dringenden Termin habe, bin ich regelmäßig kurz vorm Ausrasten, weil wir vom Aufstehen bis zum Rausgehen sage und schreibe 2 Stunden brauchen! Und das Ganze locker auch in der Hälfte der Zeit oder noch schneller gehen könnte. Mittlerweile habe ich mich ein wenig damit abgefunden, dass meine Kinder einfach mehr Zeit brauchen in der Früh – ich war als Kind auch nicht anders. Und wir haben Mittel und Wege gefunden, die Morgen-Routine für uns alle leichter zu machen.

Warum ist Aufbrechen so schwer?

Aufbruch ist eine sogenannte „Schwellensituation“, ein Wechsel von einem System in das andere. Kinder verlassen damit ihre Komfortzone und begeben sich in „unbekanntes Terrain“, auch wenn sie bereits genau wissen, wohin es geht und wie es dort ist. Diese „Schwellenangst“ verursacht Stress und hat unweigerlich Konfliktpotenzial – je kleiner das Kind, desto heftiger.

Noch dazu kommt, dass sich Kinder natürlich noch mehr Zeit lassen, wenn eine unangenehme Sache bevorsteht. Kinder, die nicht gern in den Kindergarten gehen, trödeln, um das Unvermeidbare so weit wie möglich hinauszuzögern. Arzttermine, langweilige Pflichtbesuche bei Verwandten oder der Supermarkt-Einkauf schlagen in die gleich Sparte.

Umgekehrt verhält es sich genauso. Eine Freundin erzählte mir, dass ihr 5jähriger Sohn an dem Tag, an dem er statt Kindergarten zu seiner Oma durfte, sich plötzlich komplett alleine anziehen konnte und bereits 5 Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt fix und fertig an der Türe wartete – das hat es so noch nie gegeben. Es geht also – sie müssen nur wollen!

Druck erzeugt Gegendruck

Je gestresster wir als Eltern sind, desto ungeduldiger und lauter werden wir. Je lauter wir werden, desto mehr ziehen sich die Kinder zurück und kommen uns erst recht nicht entgegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit ihren feinen Antennen bemerken die Kids auch unseren inneren Stress, legen sich also auch quer, wenn wir nicht unbedingt gleich losschreien. Sie spiegeln unsere Gefühle und werden selbst unruhig und genervt.

Wie kann es also trotzdem funktionieren, ohne euer Kind unter Druck zu setzen? Ebenso wie beim stressfreien Zähneputzen gilt auch hier: trial and error. Was dem einen Kind hilft, kann beim anderen absolut wirkungslos sein und was gestern zum Ziel führte, kann heute schon wieder kläglich scheitern. Deshalb hier ein knackiges Selbstbedienungs-Buffett an Tipps, die euch das Fertigwerden am Morgen oder wann auch immer erleichtern könnten – probiert sie aus und findet heraus, welche für euch passen!

Innere Ruhe, angenehme Stimmung

Hab ich bereits erwähnt, dass Kinder Meister darin sind, unsere eigene Gefühlswelt wiederzugeben? Sind wir grantig, werden sie es auch. Ich war als bekennender Morgenmuffel in der früh immer schon grantig, was sich 1:1 auf meine Kinder überträgt. Deshalb bemühe ich mich, am Morgen gute Miene zum bösen Spiel zu machen und „Guten Morgen, meine Süßen, aufstehen, das Frühstück ist fertig,“ zu flöten, auch wenn mir nicht wirklich danach ist, und ich mich am liebsten nochmal zu ihnen legen würde. Ich sage ihnen das aber trotzdem – dass ich genauso müde bin und nicht aufstehen möchte, aber dass wir das gemeinsam schaffen. Kinder hassen es, wenn man nicht authentisch ist.

Und umgekehrt versuche ich, halbwegs geduldig lächelnd die Launen meiner Jüngsten zu ertragen – sie ist nämlich auch ein unverbesserlicher Morgenmuffel. Wenigstens weiß ich genau, wie sie sich fühlt. Und dann suchen wir gemeinsam nach etwas, das unsere Stimmung hebt.

Musik am morgen

Diesen eigentlich ohnehin wohl bekannten Stimmungsmacher haben wir durch Zufall entdeckt. Unsere Kinder spielten am Vorabend am Wecker herum und schalteten unbemerkt die Radio-Funktion ein – am nächsten Morgen weckte uns kein sanftes Vogelgezwitscher, sondern die Toten Hosen mit „Hey! Hier kommt Alex!“. Die Kids waren auf einmal nicht nur wach, sondern auch gut drauf! Seither läuft bei uns in der Früh meistens rockige Guten-Morgen-Musik. Hilft zwar auch nicht immer, aber oft.

To-Do-Liste

Ein einfacher, aber vor allem bei kleineren Kindern effizienter Trick zum Fertigwerden: Sichtbar machen, was als noch zu tun ist bzw. was als nächstes zu tun ist. Als Erwachsener findet man es schließlich auch befreiend, auf seiner To-Do-Liste Häckchen zu machen. Auch für Kids funktioniert das ganz einfach:

  • mit Fotos in einer Folienmappe, was erledigt ist, wird umgeblättert
  • mit Klett-Bildern auf einer Tafel, was erledigt ist, wird abgenommen, z.B. hier (Etsy)
  • mit Kartonstreifen an der Wand, was erledigt ist, wird umgeklappt, z.B. hier (Etsy)

Kleiderstraßen

In dieselbe Kerbe wie die To-Do-Listen schlagen die Kleiderstraßen. Auf dem Weg vom Bett zum Frühstückstisch sind in der richtigen Reihenfolge Kleidungsstücke aufgelegt – wenn eines „gefunden“ wird, wird es angezogen. Vor allem am Anfang ist es noch sehr spannend, wo sich die einzelnen Sachen diesmal „verstecken“. Kommt das Kind fertig angezogen in die Küche, wird das natürlich lobend anerkannt.

Spielerische Wettbewerbe

Ich selbst bin zwar nicht so ein Fan davon, setze sie daher nur sparsam ein, bzw. wenn ich grad für nichts Anderes mehr Nerven habe: Die „Ich bin Erster“-Masche. Sie wirkt bei den meisten Kindern sehr gut, die unangenehme Nebenwirkung ist allerdings, dass irgendwann alles zum Wettstreit ausartet, was vor allem unter Geschwistern großes Stress- und Frustrationspotenzial innehat – es kann nämlich in den meisten Fällen nur einen Sieger geben. Muss es aber mal wirklich schnell gehen, locken wir unsere Kids auch schon mal mit „Ich bin als erste angezogen“ außer Haus.

Früher aufstehen, Druck rausnehmen

Das war bei uns ein echter Knackpunkt. Auch wenn ich als absoluter Nachtmensch jede Minute schätze, die ich länger liegen bleiben kann! Seitdem ich nur eine Viertelstunde früher aufstehe, ist unsere Morgen-Routine viel entspannter. In den 15 Minuten, in denen (hoffentlich) die Kinder noch schlafen, kann ich bereits enorm viel vorbereiten, vom Frühstück bis zur Jausenbox – und mich sogar vielleicht selbst noch in Ruhe anziehen. Wenn die Kinder aufstehen, ist das Wichtigste bereits erledigt und ich kann meine volle Aufmerksamkeit ihren morgendlichen Launen schenken, ohne gleich unter Zeitdruck zu geraten.

Dass ich entspannter bin, merken auch die Kids, die dann viel kooperativer sind. So bleiben nach Frühstück, Anziehen und Zähneputzen vielleicht sogar noch 10 Minuten Zeit, um noch zu malen oder zu lesen, bevor wir außer Haus gehen.

Tipp: Malen oder lesen nach kurzer Zeit zu unterbrechen ist kein Problem, wenn ich allerdings unseren Großen in der Früh noch Lego bauen lassen, ist dies ein fataler Fehler – er kann dann nach 10 Minuten unmöglich aufhören. Das weiß ich mittlerweile und halte ihn vom Lego fern, wenn ich weiß, dass wir bald gehen müssen.

Für sonstige Termine gilt (je nach Kind): Eine halbe Stunde vor Abfahrt mit dem Aufbruch beginnen. Bis alle auf der Toilette waren, angezogen sind, das richtige Spielzeug eingepackt und sich geistig darauf eingestellt haben, dass es jetzt losgeht, sind die 30 Minuten mit ziemlicher Sicherheit um!

Jetzt wird’s ernst! Situationswechsel ankündigen

Das Gehirn eines Kindes kann erst ungefähr im Volksschulalter spontan auf äußere Gegebenheiten reagieren und ist davor mit einem plötzlichen Situationswechsel überfordert. Erst im Alter zwischen 20 und 30 Jahren erreicht die kognitive Flexibilität ihren Höhepunkt, bevor sie dann im Alter wieder abnimmt. Deshalb lieben wir alle die Routine.

Ein „Los, wir gehen jetzt!“ ist für kleine Kinder damit absolut unmöglich! Kündigt euren Kindern im 5-Minuten-Takt an, wie lange es bis zum Aufbruch noch dauert und was dann zu tun ist (und stellt sicher, dass sie euch auch wahrnehmen):

  • „In 15 Minuten müssen wir los, ich pack schon einmal unseren Rucksack ein.“
  • „In 10 Minuten müssen wir los, bitte werdet mit dem Spielen fertig!“
  • „In 5 Minuten müssen wir los, bitte räumt dann eure Sachen weg und kommt Schuhe anziehen!“
  • „5 Minuten sind vorbei, ich hab alles eingepackt, bitte kommt jetzt Schuhe anziehen!“

Mühsam ja, aber nur so geht’s in den meisten Fällen. Noch mühsamer ist, dass sie dann oft immer noch nicht kommen, sondern noch schnell den einen Schritt noch bauen, das eine Feld noch ausmalen oder die eine Seite fertig lesen müssen. Deshalb immer genügend Pufferzeit einplanen!

Verbleibende Zeit sichtbar machen

Als kleine Unterstützung und damit ihr nicht alle paar Minuten eine Durchsage machen müsst, hilft, die noch verbleibende Zeit greifbar zu machen. Nur der Verweis auf die Uhr („Wenn der Zeiger ganz nach oben zeigt, müssen wir los“) ist oft zu wenig, aber es gibt genug kindgerechte Alternativen:

  • Bunte und bruchfeste Sanduhren*
  • Eine Zeitampel*, die grün, gelb oder rot leuchtet, je nachdem wieviel Zeit noch verbleibt und den Wechsel auf Wunsch mit einem Signalton bekanntgibt
  • Visueller Timer*: ähnlich wie ein normaler Wecker, doch die verbleibende Zeit wird farbig dargestellt (gibt’s auch extra für Kinder, ist aber vergleichsweise teuer)
  • Musik-Countdown – einen bekannten Song einschalten, wenn er aus ist, ist die Zeit um.

Sich verabschieden

Bei kleinen Kindern wirkt dies Wunder! Rund um das 10. Monat beginnen Babys zu winken und lernen schnell, dass diese Geste mit Schwellensituationen in Verbindung gebracht wird. Ab dann kann man durch Verabschieden die Schwellenangst etwas reduzieren. Sagt also Tschüß oder Gute Nacht zum Spielplatz, zu Mama und Papa, zum Bilderbuch, zum Kuscheltier und eben auch zum Zuhause.

Etwas mitnehmen

Auch Übergangsobjekte lindern die Schwellenangst. Wenn das Kind gerade malt, darf es sich einen Stift mitnehmen, füttert es gerade seine Puppe, darf diese mit auf den Ausflug, beim Duplobauen wird das halbe Haus mit ein paar Steinen eingepackt und so weiter. Ist man am Ziel, wird das Mitbringsel keines Blickes gewürdigt – aber es hilft enorm, sich zum Gehen zu überwinden.

Weitere Kleinigkeiten als Ideen zum Ausprobieren

  • Lasst euer Kind die Kleidung für den nächsten Tag schon als Pyjama anziehen.
  • Unterteilt eine „große Aufgabe“ in kleine Schritte: Anstatt „Zieh dich bitte an“ zu sagen, bittet es, den Pyjama auszuziehen, die Socken anzuziehen, die Hose anzuziehen, und so weiter.
  • Helft in der Früh beim Anziehen und Zähneputzen, auch wenn euer Kind es schon selber kann. Durch eure Aufmerksamkeit lädt es seinen Bindungs-Akku für den Tag.
  • Wenn in der früh gar keine Kooperation möglich war, hab ich meine 3jährige auch schon im Pyjama in den Kindergarten gebracht….

Diese Tipps, um pünktlich außer Haus zu kommen, sind wie immer nur Ideen, die euch inspirieren sollen, selbst kreative Lösungen zu finden. Wenn euch Ergänzungen einfallen oder ihr vielleicht sogar DIE grandiose Lösung habt, freuen wir uns, wenn ihr eure Erfahrungen teilen wollt! Nachricht schreiben

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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