So gelingt der Kindergarten-Start ohne Stress: Tipps von der Expertin Stefanie von Brück
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So gelingt der Kindergarten-Start ohne Stress: Tipps von der Expertin Stefanie von Brück

Stefanie von Brück, Expertin für KiTa-Eingewöhnung, sprach zu uns über die Herausforderungen beim Kindergartenstart und wie wir uns und unsere Kinder bedürfnis- und beziehungsorientiert durch diese Umstellung begleiten können.

Ob Tagesmutter, Krabbelgruppe oder Kindergarten: der Start in die Fremdbetreuung ist in vielen Fällen mit einer Flut von Tränen verbunden – oft sogar auf beiden Seiten. Auch wenn das Zusammenspiel von Kindern, Eltern und Pädagog*innen individueller nicht sein kann, gibt es doch einige Maßnahmen und Tipps, um den KiTa-Start für alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu haben wir mit Stefanie von Brück eine Expertin für KiTa-Eingewöhnung befragt, die Eltern und Kinder in diesem Veränderungsprozess intensiv begleitet. Aber lasst uns noch kurz vom Kindergarten-Start unseres Sohnes erzählen.

Kindergarten-Start: So (schlimm) war das bei uns

Unser Großer hat im September 2020 im Kindergarten angefangen, da war er 3,5 Jahre. Am Anfang war alles spannend und toll, doch ca. drei Wochen später war der Abschied plötzlich furchtbar. Er ging bereits mit einem “Baba Mama, bis später” in den Gruppenraum, doch von einem Tag auf den anderen fuhr er wieder das volle Programm mit Sitzstreik vor dem Gartentor, Augen zu machen, nicht weiter gehen wollen, anklammern, “Du musst immer bei mir bleiben” weinen, schreien und toben. Nachdem ich seine Hände von meinem Hals gelöst, das zeternde Bündel in die Arme der Kindergärtnerin übergeben habe und mit meiner 15 Monate alten Tochter geflüchtet bin, bin ich auch in Tränen ausgebrochen – und das war nicht nur an einem Tag so. Um halb 12 war mein Sohn wieder vom Kindergarten zurück, wo er die ganze Zeit gespielt hat und sichtlich überhaupt kein Problem damit hatte, dort zu sein. Ich hätte am Nachmittag arbeiten sollen und heulte immer noch. Ich kam wohl mit meinen eigenen Emotionen nicht klar.

Von allen Seiten hörte ich: Da müsst ihr durch. Das wird schon. Bei dir war das nicht anders. Er BRAUCHT den Kindergarten. Er ist REIF dafür (dieser Meinung war ich auch, ich konnte ihn zuhause nicht mehr ausreichend fordern und fördern, vor allem gemeinsam mit seiner kleinen Schwester). Für mich war es die schlimmste Form von Gewalt – das sich anklammernde Kind von mir weg reißen und dann einfach gehen. Oder? Auch wenn er sich innerhalb einer Minute beruhigt. Oder? Ich war vollkommen verunsichert. Mein Bauchgefühl sagte, am liebsten würde ich nachgeben und ihn wieder mit nach hause nehmen. Es sagt aber auch, dass es ihm im Kindergarten unter Gleichaltrigen besser geht – mit Dingen, die ich ihm zu hause nicht bieten kann.


Ist das nur eine Form des „Sich-Eingewöhnen-Müssens“, so wie es auch Erwachsenen in einem neuen Job geht? Die bei Kindern extremer ausfällt? Testet er, wie weit er gehen muss, wie sehr er sich “aufführen” muss, damit ich aufgebe (und ihn wieder mitnehme)? Ist es Ausdruck seiner Frustration, dass ich ihn hier einfach abliefere, obwohl er gesagt hat, er will nicht? Und wenn ja, soll ich hier wirklich nachgeben? Wird es in einem halben Jahr / Jahr anders sein? Diese Fragen quälten mich unendlich.

Dann kam die Pandemie und es war Pause im Kindergarten. Erst Monate später, im März 2021, hat er wieder angefangen. Und es gab plötzlich kein einziges Mal Tränen oder sonst was. Er ging (zwar am Anfang noch zögerlich, aber bald auch schon voraus) von allein zur Tür und nach kurzer Umarmung ohne Probleme in den Gruppenraum. Seit Tagen habe ich kein “Ich mag nicht in den Kindergarten” gehört.

Was war jetzt anders?

  • Er ist älter (fast 4).
  • Er ist mit dem Thema Kindergarten vertrauter, er kennt ihn nicht mehr nur vom Hörensagen, sondern weiß tatsächlich, wie es dort zugeht.
  • Wir haben zuhause immer wieder Kindergarten gespielt, die Wohnzimmer-Couch war die Garderobe, an der Wäschetrommel wurden Hände gewaschen und mit dem Kachelofen-Auto sind wir hin und her gefahren.
  • Ich mache in der früh keinen Stress: er darf ausschlafen (oft bis 8, dann kommen wir halt ein paar Minuten zu spät), er darf in der früh noch zuhause spielen und ich lasse ihn selber entscheiden wann er Zähne putzen gehen und anschließend fahren möchte.

Wir waren die ersten beiden Tage 5min zu spät und dann immer mindestens eine halbe Stunde früher dort als sonst. Ich hab geglaubt ich spinn…..

Richtig gerne ging er aber erst in den Kindergarten, als auch seine kleine Schwester anfing. Mit ihr war die Eingewöhnung ähnlich schwierig, bald hat sie aber Freunde gefunden und es begann, ihr richtig Spaß zu machen. Und ich konnte mich endlich von meinem schlechten Gewissen lösen, meine Kinder in Fremdbetreuung zu geben.

Lange Rede kurzer Sinn: wie froh wäre ich damals gewesen, wenn wir abgesehen von den Pädagog*innen im Kindergarten noch zusätzlich professionelle Unterstützung gehabt hätten, die ebenso wie ich großen Wert auf eine sanfte Art der Eingewöhnung legt. Dann wäre die wundersame Verwandlung vielleicht schon früher vonstatten gegangen. Diese Unterstützung bietet Stefanie von Brück. Wir haben ihr zum Thema Eingewöhnung und Kita-Start-Begleitung die wichtigsten Fragen gestellt.

Woran merke ich, dass mein Kind reif für Kindergarten und Kita ist?

Stefanie von Brück: „Hier darf ich mal klarstellen, dass man nicht mehr von Kindergarten-Reife spricht. Diese typischen Reife-Kriterien, die noch in den Köpfen der Gesellschaft herumwabern, kann man aus pädagogischer Sicht nicht wie eine Checkliste abarbeiten, weil Menschen einfach nicht nach Checklisten funktionieren. Die Frage ist also eher, woran erkenne ich, dass mein Kind bereit ist für den Kindergarten.

Die am häufigsten genannten Reifekriterien waren ja das Alter des Kindes, ob es sich schon alleine beschäftigen kann, ob es vielleicht von sich aus sagt, dass es in die Betreuung gehen will, dass das Kind Trennungssituationen schon geübt hat, dass es sich selber anziehen kann oder vielleicht schon trocken ist.

Das sind aber alles keine WIRKLICHEN Aufnahmekriterien, denn abgesehen vom Wald-Kindergarten, wo das Wickeln schwierig ist, werden die Kinder auch mit Windel aufgenommen, und die „Reife-Anzeichen“ Sprechen und Laufen können sie in der Betreuung genauso lernen wie in der Familie. Auch dass sich die Kinder an Regeln halten können, lernen sie oft erst über einen längeren Zeitraum. Es gibt ja auch gewisse Erwachsene, die sich nicht an Regeln halten können. Deswegen spricht man eher von KiTa-Bereitschaft, die ein ganzheitliches Bild auf das Kind richtet, um dann eben zu prüfen, ob mein Kind bereit ist. Dabei geht es nicht so sehr um die körperliche Entwicklung, sondern auch um das Temperament des Kindes, die Bereitschaft, offen auf andere zuzugehen, oder Kontakt- bzw. Freundschaftsanfragen anzunehmen. Diese KiTa-Bereitschaft kann bei jedem Kind sehr individuell aussehen und zu einem individuellen Zeitpunkt auftreten.“

Was kann passieren, wenn der Zeitpunkt der Fremdbetreuung zu früh ist?

Stefanie von Brück: „Das mit dem schrecklichen Start höre ich leider sehr oft. Deshalb gibt es ja meine Arbeit, weil ganz viele Eltern Unterstützung brauchen, damit die Eingewöhnung gut startet und es auch bleibt. Die schwierigen Situationen, die immer wieder auftauchen, kann man mit Support viel besser meistern, als wenn man alleine und unbedarft in so eine Eingewöhnung rein taumelt.

So lange eine Eingewöhnung gut läuft, wird man es vielleicht gar nicht merken, dass es eigentlich zu früh war, weil das Kind so sanft und in seinem Tempo ankommen kann, dass es diesen Übergang von der Familie in die KiTa perfekt meistern kann. Und dann kann die Betreuung auch gar nicht als zu früh angesehen werden, auch wenn dem Kind vielleicht noch ein paar Monate oder auch ein Jahr länger zuhause gut getan hätte. Aber wenn Kinder im Kindergarten oder auch bei der Tagesmutter gut versorgt sind, nicht nur was Nahrung und Sauberkeit betrifft, sondern auch emotional, dann können sie auch schon in jungen Jahren damit gut klar kommen. Da kommt es ganz stark auf die Qualität der Betreuung an.

Hier möchte ich auch noch den Hinweis anbringen: Es heißt nicht Fremdbetreuung! Fremdbetreuung ist ein ganz fürchterliches Wort, welches sich in den Köpfen festgesetzt hat und von Eltern und Fachkräften so verwendet wird. Eigentlich heißt es außerfamiliäre Betreuung oder familienergänzende Betreuung. Das hört sich gleich ganz anders an und macht ein ganz anderes Gefühl. In dem Begriff „Fremdbetreuung“ schwingt nicht nur ganz viel Negativität mit, sondern er ist schlichtweg falsch, denn man lässt ja sein Kind nicht von Fremden betreuen. Die Eingewöhnung ist ja dafür da, dass die noch unbekannten Personen zu vertrauten Bindungs- und Beziehungsmenschen werden. Fremdbetreuung ist, wenn man sie bei Ikea im Småland abgibt und die Leute dort vorher noch nie gesehen hat.“

Warum kann sich die Eingewöhnung in die KiTa schwierig gestalten?

Stefanie von Brück: „Es gibt unglaublich viele Gründe, warum eine Eingewöhnung schwierig ist! Vielleicht kann man das auf drei runterbrechen, die – wichtig zu wissen – natürlich immer individuell sind:

Manchmal merkt man, dass Mama oder Papa nicht hundertprozentig dahinterstehen. Und das ist ok! Man kann auch erst in der Eingewöhnung merken, dass man mit dem Kind noch gerne zuhause bleiben möchte. Besser ist es aber natürlich, sich VOR der Eingewöhnung darüber im Klaren zu sein und diese Gefühle und Gedanken zu reflektieren. Dafür gibt’s ja auch mein Happy-KiTa-Start-Begleitprogramm, weil ich das eben alles vorher kläre, damit man eben NICHT in der Eingewöhnung merkt, dass die Hürde zu hoch ist und die Einstellung zur „Fremdbetreuung“ das Loslassen noch nicht zulässt.

Dass einem Loslassen schwerfällt, ist nicht schlimm, das darf sein, denn wir lieben unsere Kinder und wir wollen, dass es ihnen gut geht und am liebsten, dass die Fachkräfte es genauso machen, wie wir selber auch. Loslassen kann schwer für uns sein, aber da geht es dann eben an die eigenen emotionalen Hausaufgaben. Manchmal müssen auch die Fachkräfte etwas an der Situation ändern, damit man leichter loslassen kann, aber das würde jetzt hier zu sehr ins Detail führen.

Der zweite Grund ist, dass das Kind einfach wirklich noch nicht bereit ist. Das merkt man dann auch oft erst in der Eingewöhung. Auch wenn diese gut läuft, kann man oft noch zu der Erkenntnis kommen, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt ist. Wenn die Fachkräfte sehr bemüht und sehr liebevoll vorgehen, kann es sogar sein, dass das Kind sich gut eingewöhnen lässt und man später dennoch draufkommt, dass es noch nicht so weit war. Wenn man dann noch ein halbes Jahr wartet, ist das der totale Game-Changer, weil die Kinder dann einfach nochmal einen Sprung in der Entwicklung machen.

Der dritte Grund, der Hauptgrund, warum Eingewöhnungen schwierig sind, ist, dass die pädagogische Arbeit oder die Betreuungsqualität nicht gut genug ist und die Bereitschaft nicht da ist, dem Kind und seinen Eltern, die Eingewöhnung zu ermöglichen, die es braucht. Das jetzt aber weiter auszuführen, würde definitiv den Rahmen sprengen, denn es gibt unglaublich viele Gründe, woran man das merkt und wo hier die Hürden und Baustellen liegen.“

Wann ist der beste Zeitpunkt, mein Kind auf den Kindergarten-Start vorzubereiten?

Stefanie von Brück: „Das kommt auf den Typ des Kindes an. Es gibt Kinder, die sind schon Wochen vor ihrem KiTa-Start aufgeregt und können kaum schlafen, was zu Stress führt, wenn man zu früh damit anfängt. Und dann gibt es Kinder, die brauchen rechtzeitig und frühzeitig Informationen, um sich innerlich drauf einzustellen. Bei diesen Kindern kann man nicht erst ein paar Tage vorher damit anfangen. Das muss man sehr individuell abwägen und hängt auch ein bisschen vom Alter des Kindes ab, weil man mit älteren Kindern einfach schon andere Gespräche führen kann.“

Wie kann ich mein Kind bestmöglich auf die Eingewöhnung vorbereiten?

Stefanie von Brück: „Der Klassiker ist immer Bücher anschauen! Und einfach schnuppern gehen! Entweder die KiTa ermöglicht das, oder man geht einfach vorbei, stellt sich ein bisschen an den Gartenzaun und schaut den Kindern beim Spielen zu.“

Was sind die wichtigsten Faktoren für einen gelungenen Kita-Start ohne Tränen?

Stefanie von Brück: „In meiner kostenlosen Checkliste kann man die wichtigsten Faktoren nachlesen. Und zwar alles, was man als Elternteil braucht, wie zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, dass man mit den Fachkräften eine gute Beziehung aufbauen kann, der innere Frieden mit der Entscheidung, das Kind in die KiTa zu geben, etc. Kinder brauchen neben ganz viel Zeit und neuen Bindungspersonen natürlich ganz viel Sicherheit und Vertrauen. Da gibt’s dann auch noch ein paar E-Mails mit Geschichten drumherum, was einen guten Einstieg in diese Welt der gelungenen Eingewöhnung darstellt.“

Verhaltenstipps für Eltern: Welche „Stolpersteine“ sind zu erwarten und wie kann ich darauf reagieren?

Stefanie von Brück: „Das ist so individuell wie komplex. Ich mache das Happy-KiTa-Start-Begleitprogramm nun seit 5 Jahren, da wiederholen sich natürlich bestimmte Situationen immer wieder. Ich bin immer etwas vorsichtig, zu sagen, man sollte Stolpersteine erwarten, weil man dann schon ein wenig in die negative, sich selbst erfüllende Prophezeiung geht. Man soll auf jeden Fall zuversichtlich und optimistisch in den Kindergartenstart gehen, aber auch ganz klar sagen, dass Eingewöhnung kein Selbstläufer ist. Im Gegenteil.

Eingewöhnung ist ein extrem störungsanfälliger, sehr sensibler Veränderungsprozess im Leben des Kindes und der gesamten Familie. Es ist superwichtig, dass man sich rechtzeitig davor und auch währenddessen natürlich am besten begleiten lässt, sich aber zumindest mit dem Thema beschäftigt. Viele Eltern und auch Fachkräfte unterschätzen die Bedeutung der Eingewöhnung! Oft ist es diese Einstelllung, dass die Fachkräfte schon wissen, was sie tun, wo sich Eltern zu Unrecht aus der Verantwortung für den Eingewöhnungsprozess nehmen. Man darf sich bei der Eingewöhnung nicht alleine auf die Fachkräfte verlassen.

Natürlich liegt die Verantwortung vor Ort in der Betreuungseinrichtung bei den pädagogischen Fachkräften, das sind schließlich die Profis. Aber Eltern haben als Expert*innen für ihr Kind natürlich trotzdem Verantwortung und müssen ihr Kind bestmöglich begleiten.

Der erste Tipp für die Vorbereitung, um Stolpersteine zu vermeiden: sich mit der Eingewöhnung zu beschäftigen. In individuellen Situationen liegt der Knackpunkt immer wieder bei der Kommunikation: Es ist ganz wichtig, nicht mit den Fachkräften in einem Argumentations-Ping-Pong zu landen, wo es nur noch darum geht, wer recht hat, denn dann geht das Kind zwischen diesen Fronten unter. Es ist wichtig, mit den Fachkräften eine gute Beziehung aufzubauen, wertschätzend und klar miteinander zu sprechen. Ich nutze viel gewaltfreie Kommunikation, mache mit den Eltern auch ganz konkrete Kommunikationstrainings. In diesen gebe ich Praxistipps und handfeste Formulierungsvorschläge, also richtige Sätze an die Hand, die die Eltern ihrer Situation entsprechend abwandeln können. Diese kann man natürlich nicht verallgemeinern und sind immer auf die jeweilige Situation bezogen, denn pauschale Random-Tipps gebe ich sehr ungern.

Der größte Stolperstein ist eine zu baldige Trennungssituation, wodurch Bindungsunsicherheit entsteht. Wenn da nicht die richtigen Schlüsse und Konsequenzen daraus gezogen werden, landet man in einer Abwärtsspirale und dann wird daraus richtig Mist.“

Wie kann dein Angebot dabei helfen?

Stefanie von Brück: „Ich denke, ich hab das jetzt schon immer ein wenig einfließen lassen. Zusammenfassend besteht das Happy-KiTa-Start-Begleitprogramm aus zwei Teilen:

Der erste Teil ist ein Kursbereich mit vielen Videos, Texten und Praxistipps zu den Themen Bindung, Trennung und Ablauf der Eingewöhnung. Kommunikation und emotionale Voraussetzungen für Eingewöhung werden ebenfalls behandelt. Darunter fällt zum Beispiel: Wieviel Weinen ist normal? Wie gehe ich mit Weinen um? Wie gehe ich mit meinen eigenen Gefühlen und denen des Kindes um? Wie komme ich zu der Klarheit und emotionalen Kraft, die ich für die Eingewöhnung brauche? Was in der Checkliste für die KiTa-Bereitschaft abgearbeitet wird, wird sozusagen im Happy-KiTa-Start-Begleitprogramm aufgefangen, sodass man sich gut auf die Eingewöhnung vorbereiten kann. Auf diesen Bereich hat man dann 12 Monate Zugriff.

Der zweite Teil sind die wöchentlichen Frage-Antwort-Möglichkeiten ab dem 1. Tag der Eingewöhnung über 8 Wochen lang. Hier gibt es zwei Varianten: Q&A-Sessions und 1:1 Premium-Begleitung. Hier schicken mir die Eltern jede Woche ein Update, wie die Eingewöhnung gerade läuft, wie die Fachkraft, ihr Kind und sie selbst reagieren und wie sich alle dabei fühlen und gegebenenfalls konkrete Fragen. Und dann gebe ich ganz individuelle, konkrete Tipps, was Papa oder Mama am nächsten Tag Kind oder Fachkraft gegenüber sagen oder machen können, sodass die Eingewöhnung gut weiterlaufen kann. Durch diese Frage-Antwort-Möglichkeiten merke ich frühzeitig, dass man wo die Kurve kriegen muss, und kann rechtzeitig intervenieren, um die Eingewöhnung auf dem richtigen Weg halten.

Nachdem man den Kursbereich idealerweise schon vor der Eingewöhnung bearbeitet, kann man mein Programm jederzeit buchen. Die Eltern sind unglaublich dankbar, sie fühlen sich mit meinem Feedback sicher und die Eingewöhnungen laufen für Eltern und Kind wesentlich besser ab.“

Was sind die häufigsten Herausforderungen im Kindergarten-Alltag?

Nach der Eingewöhnung ist es ja nicht getan. Was bleibt, sind immer noch Kinder, die sich ständig anpassen müssen und mit dieser Situation oftmals überfordert sind. Dies äußert sich zum Beispiel durch:

Mein Kind war schon eingewöhnt, jetzt gibt es aber wieder verzweifelte Tränen bei jedem Abschied

Stefanie von Brück: „Zuerst mal noch kurz zum Thema „anpassen“, was ja eher negativ klingt. Kinder passen sich dauernd an, zuhause in der Familie, in öffentlichen Gebäuden, im Zug, bei Oma und Opa, etc. und können immer wieder mal mit Situationen überfordert sein. Was sie dann brauchen, sind verlässliche, empathische Erwachsene, die das Kind dabei begleiten, diese Situation zu meistern oder zu verändern.

Die konkrete Frage kann ich pauschal überhaupt nicht beantworten. Da muss man zuerst darauf achten, wie gut das Kind schon eingewöhnt war, ob sich an der Situation vielleicht etwas verändert hat, was dem Kind fehlen könnte, was das Kind brauchen könnte und wie man das erreichen kann. Auch die Definition, wann ein Kind eingewöhnt ist, ist von Fachkraft zu Fachkraft und von Eltern zu Eltern sehr verschieden.“

Mein Kind ist seit dem Kindergarten-Start dauernd krank

Stefanie von Brück: „Man spricht immer wieder von „Durchseuchung“. Am Anfang schleppt man einfach alle typischen Kinderkrankheiten mit nach Hause, mit deren Viren und Bakterien man in der Betreuungseinrichtung einfach öfter in Kontakt kommt. Weil Kindergarten einfach anstrengend ist, kommt der Stress auch noch dazu, und der Körper sendet dann das Signal: Ich brauch mal eine Pause. Wenn das zu häufig vorkommt, muss man ebenfalls die Ursachen im Detail abklären“.

Mein Kind schläft plötzlich nicht mehr alleine ein / durch oder nässt plötzlich wieder ein

Stefanie von Brück: „Das sind Signale, wo ich bei der Begleitung darauf achte, dass das gar nicht eintritt, oder, falls es doch vorkommt, genau hinschaue, ob das noch im grünen Bereich ist. Vor lauter Aufregung kann das einfach mal passieren. Auch dass die Kinder plötzlich wieder mehr Nähe brauchen oder wieder öfter stillen, weil Eingewöhnung einfach ein riesengroßer Übergang ist. Da darf es auch in der Familie ruhig ein bisschen ruckeln, es muss halt noch im Rahmen bleiben.“

Mein Kind will in der Früh absolut nicht in den Kindergarten

Stefanie von Brück: „Ein Signal, das man unbedingt ernst nehmen muss und genau schauen muss, was da los ist. Ich kann hier keine Ratschläge geben, die immer gelten und immer funktionieren, man muss immer die genaue Situation betrachten. Solche „Notfälle“ werden durch das Happy-KiTa-Start-Begleitprogramm großteils vermieden, ich mache aber auch Notfallberatung für Eltern, die mich erst später finden und schon mitten in einer schwierigen Eingewöhnung stecken.“

Nach der Kita ist mein Kind zuhause nicht auszuhalten

Stefanie von Brück: „Hier kann zum Beispiel eine Änderung der Abholsituation helfen, damit der Nachmittag entspannter läuft. Das ist dann etwas, was ich in der Happy-KiTa-Family-Community bespreche. In diesem Mitgliederbereich begleite ich Eltern nach der Eingewöhnung noch weiter. Denn vollkommen richtig, es hört ja nach der Eingewöhnung nicht auf und es entstehen im Kindergarten-Alltag immer wieder Fragen, die für Eltern relevant, sowohl auf das KiTa-Leben, als auch auf das Familienleben, Partnerschaft, Mental Load, etc. bezogen.“

Mein Kind mag seine Betreuungsperson im Kindergarten nicht

Stefanie von Brück: „Da muss man die konkreten Gründe dafür in Erfahrungen bringen und abklären, ob man Betreuungsperson oder Kindergarten vielleicht wechseln kann. Manchmal ist es tatsächlich auch nötig, dass man die Eingewöhnung beendet. Das sind dann aber schon sehr große Schritte, über deren Notwendigkeit man sich sicher sein sollte, bevor man die momentane Situation aus Angst vielleicht komplett über den Haufen wirft. Da bin ich dann natürlich ebenfalls da, um mit mir Rücksprache zu halten.“

KiTa-Elternberaterin Stefanie von Brück

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Foto: Stefanie von Brück

Stefanie von Brück ist die Expertin für Eingewöhnung und KiTa. Sie bietet als Pädagogin Beratungen für Eltern sowie Fortbildungen für KiTas und Fachkräfte an. Sie ist Mama von 2 Kindern, die sie zur Absolvierung mehrerer Ausbildungen im Eltern-Kind-Bereich animiert haben. Seither kombiniert sie als bekennende „Brückenbauerin“ moderne Pädagogik mit Beziehungs- und Bedürfnisorientierung – sowohl beruflich, als auch privat. Stefanie hat früher pädagogische Fachkräfte ausgebildet und war lange Zeit für eine KiTa- und Schulgründung ehrenamtlich aktiv. Sie ist familylab-Seminarleiterin und hat ihr eigenes Programm zur KiTa-Eingewöhnung entwickelt, mit dem sie Eltern und pädagogische Fachkräfte gleichermaßen unterstützt.

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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