Schmetterlinge züchten mit Kindern (mit PDF-Anleitung)
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Schmetterlinge züchten mit Kindern (mit PDF-Anleitung)

Schmetterlinge begeistern nicht nur Kinder. Sie selbst zu züchten und die unterschiedlichen Stadien ihres Lebens hautnah zu beobachten ist auch für Erwachsene ein faszinierendes Erlebnis – und viel leichter als gedacht!

Früher oder später kommt bei jedem Kind dieser Zeitpunkt: Es möchte ein Haustier. Nachdem in unserer Familie sowohl Tierhaar-Allergie, als auch Tierhaar-Phobie vorherrschen, haben wir uns für diverse haarlose Varianten von Haustieren entschieden: Fische, Garnelen – und Schmetterlinge!

Über ein Kindergartenprojekt kamen schon vor mehreren Jahren die ersten Raupen des Wiener Nachtpfauenauges in unser Zuhause. Der größte Schmetterling Europas hat uns so sehr fasziniert, dass wir die Hobbyzucht seither weiter betrieben haben und uns jedes Jahr um eine Handvoll Raupen kümmern.

Erklärung für Kinder: Wie wird aus einer Raupe ein Schmetterling?

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Ihr kennt es von der kleinen Raupe Nimmersatt. Raupen fressen den ganzen Tag. Hin und wieder rasten sie sich aus, dann fressen sie wieder. Und müssen auch ziemlich oft aufs Klo. Damit sie wachsen können, müssen sie wie Schlangen ihre Haut abstreifen. Nachdem sie genug gefressen und sich mehrmals gehäutet haben, verpuppen sie sich in einem Kokon. Den Faden für diese Puppe machen sie selbst, wie eine Spinne, und wickeln sich vollständig darin ein, bis sie nicht mehr zu sehen sind. Darin gut geschützt verwandeln sie sich in einen Schmetterling.

Der Schmetterling weiß genau, wann es Zeit ist, zu schlüpfen. Dann bricht der Kokon auf, der Schmetterling klettert hinaus und sitzt eine Zeit lang einfach nur da, um seine Flügel zu trocknen. Danach fliegt er davon, um einen zweiten Schmetterling zu finden, damit sie gemeinsam wieder Eier legen können, aus denen weitere Raupen schlüpfen.

Welche Schmetterlinge können Kinder züchten?

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© Barbara Pachner

Für die Zucht von Schmetterlingen sollten ausschließlich heimische Arten gewählt werden, da diese dann anschließend problemlos in die Freiheit entlassen werden können. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Tagpfauenauge
  • Schwalbenschwanz
  • Zitronenfalter
  • Admiral
  • Kleiner Fuchs
  • Distelfalter
  • Wiener Nachtpfauenauge (wie in unserem Fall)

Es ist nicht immer ganz einfach, die Raupen richtig zu identifizieren. Oftmals erlebt man eine Überraschung oder ist sich erst zu hundert Prozent sicher, wenn die Schmetterlinge schlüpfen. Beschäftigt man sich aber erst einmal mit einigen bestimmten Arten, sind auch die Raupen absolut unverwechselbar!

Achtung! Viele Schmetterlinge stehen unter Naturschutz und dürfen daher nicht einfach mit einem Netz eingefangen werden. Außerdem gibt es keine Garantie, dass sich die Schmetterlinge in Gefangenschaft paaren und Eier legen. Da vor allem für die Kleinen Erfolgserlebnisse sehr wichtig sind, empfiehlt sich, mit Kindern die Schmetterlingszucht mit Raupen zu beginnen. Es spricht nichts dagegen, eine auf einer Futterpflanze gefundene Raupe „in Gefangenschaft“ zu füttern, um sie später als Schmetterling wieder frei zu lassen.

Das Gelege des Schwalbenschwanzes zum Beispiel findet man oft auf Fenchel oder Wilder Möhre, die Raupen des Tagpfauenauges oder Admirals fressen am liebsten Brennnessel oder Veilchen. Jene des Distelfalters leben, wie der Name schon sagt, auf Disteln, aber ebenso auf Brennnesseln.

Von JAKO-O oder Hagemann könnt ihr spezielle Schmetterlings-Zucht-Sets kaufen, die das nötige Zubehör und Gutscheine für Raupen enthalten.

Wie lange dauert es, mit Kindern Schmetterlinge zu züchten?

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Entwicklungsphasen und Lebensdauer sind bei Schmetterlingen von Art zu Art sehr unterschiedlich und reichen von wenigen Wochen bis zu über einem Jahr. Da ist schon etwas Geduld gefragt.

Tagfalter sind mit ihrer Entwicklung in den meisten Fällen schneller unterwegs als Nachtfalter. Die Raupen des Distelfalters oder Schwalbenschwanzes zum Beispiel schlüpfen schon nach 8-10 Tagen aus den Eiern, verpuppen sich etwa 4 Wochen später in einem so genannten Stürzkokon (ohne Spinnfaden) und schlüpfen bereits nach weiteren 14 Tagen. Die Zeitspanne von der Eiablage bis zum fertigen Schmetterling („Imago“ genannt) beträgt bei diesen Arten also lediglich knapp 2 Monate. So können in einer Saison sogar mehrere Generationen an Schmetterlingen entstehen.

Die Schmetterlinge selbst leben meist nur wenige Tage. Der Zitronenfalter ist der Methusalem unter ihnen, denn er kann bis zu 11 Monaten über die Wiesen flattern.

Im Falle des Wiener Nachtpfauenauges werden die Raupen etwa 6 Wochen lang gefüttert, von Ende Mai / Anfang Juni bis Mitte Juli. Wie schnell sie wachsen, kann auch von der angebotenen Futterpflanze abhängen. Danach verpuppen sie sich in einem selbst gesponnenen Kokon, um nächstes Jahr im Frühling zu schlüpfen. Meist geschieht das Mitte April bis Anfang Mai und hängt stark von der Witterung ab (je kälter, desto später).

Wer das Wiener Nachtpfauenauge züchten möchte, braucht dazu also um einiges mehr Geduld und einen langen Atem. Aber das Warten zahlt sich aus!

Was braucht man, um mit Kindern Schmetterlinge zu züchten?

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  • Faunabox: Das wichtigste Zubehör zur Schmetterlingszucht ist ein Faunarium, idealerweise mit den Maßen 30x20x20. Alternativ könnt ihr auch eine Plastikkiste mit Insektengitter-Deckel verwenden. Oder habt ihr vielleicht noch eine Stoffwindel übrig? Auch diese kann als luftdurchlässige Abdeckung darüber gespannt werden.
  • Papiertücher: Ist der Boden der Faunabox mit Küchenrolle oder ähnlichem ausgelegt, lässt sie sich leichter reinigen.
  • Futterpflanze je nach Vorlieben der Raupen: trockene und Insekten-freie Salatblätter, Brennnesseln, Disteln, Obstbaumzweige, etc., aus denen sie auch die benötigte Flüssigkeit beziehen.
  • Wasserglas: In einem mit Wasser gefüllten Marmeladeglas als Vase bleiben die Futterpflanzen länger frisch. Unbedingt mit Watte oder Plastikfolie als Abdeckung, damit die Raupen nicht hinein fallen und ertrinken können.
  • Trockene Zweige zum Schluss: Um ihre Flügel zu entfalten brauchen die frisch geschlüpften Falter eine Möglichkeit zum Hinaufklettern.
  • Geduld: Bis die Falter nach der Verpuppung schlüpfen, dauert es je nach Schmetterlingsart 2 Wochen bis zu fast einem Jahr!

Wie verläuft die Zucht des Wiener Nachtpfauenauges?

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Das Große Nachtpfauenauge, oder Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri) ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 16cm Europas größter Schmetterling. Da seine Nahrung überwiegend aus Obstbaumblättern besteht und diese zum Großteil mit Schädlingsbekämpfungsmitteln behandelt sind, ist seine Population stark rückläufig. Ein Grund mehr, um den vom Aussterben bedrohten Falter bei der Aufzucht seiner Raupen zu unterstützen.

Mitte April bis Anfang Mai: Schlüpfen der Falter, Paarung und Eiablage

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© Barbara Pachner

Anfang April ist es Zeit, das Faunarium für das Schlüpfen der Falter mit leeren Zweigen auszustatten. Je nach Witterung schlüpfen sie mal früher, mal später, überraschenderweise meist tagsüber. Auch wenn wir es schon oft erlebt haben, sind wir immer ganz aus dem Häuschen, wenn dann plötzlich ein Falter in der Faunabox sitzt und bedächtig seine Flügel auf und ab bewegt.

Die Männchen werden abends aktiv und fangen an, wild herumzuflattern. Außerdem erkennt man sie an ihren größeren, federartigen Fühlern. Sobald das Faunarium geöffnet wird, fliegen sie davon und suchen ein Weibchen. Bis zu 4km weit fliegen sie dafür durch die Dunkelheit. Wenn sie künstliches Licht umschwärmen, wurden sie sogar schon mit Fledermäusen verwechselt.

Die Weibchen bleiben im Faunarium sitzen und warten, dass sich ein Männchen zu ihnen gesellt. Im Falle der Paarung sitzen die beiden Falter den ganzen Tag beinander und anschließend legt das Weibchen die Eier ab. Nach der Eiablage verlässt auch das Weibchen das Faunarium. Im Imago-Stadium nimmt das Wiener Nachtpfauenauge nichts mehr zu sich, es braucht also weder Futter noch Wasser. Nach nur etwa 2 Wochen ist das Leben der Falter zu Ende.

Ende Mai bis Mitte Juni: Schlüpfen der Raupen

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© Katja Higatzberger, Talentegarten

2-4 Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Raupen. Danach müssen sie sofort mit frischen Blättern versorgt werden. Anfangs sind sie nur etwa 5mm groß und schwarz mit orange-braunen Punkten. Als Nahrung dienen ihnen Blätter von Kirsch-, Zwetschken- oder Apfelbäumen. Manche Raupen fressen auch Marillenbaum- oder Berg-Ahornblätter. Meist bleiben die Raupen ihr ganzes Raupenleben lang bei der Nahrung, die sie als erstes gefunden haben. Der Umstieg auf andere Obstbaumblätter ist uns aber auch schon manchmal gelungen.

Anfang Juni bis Mitte Juli: Fütterung der Raupen

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© Barbara Pachner

Die Raupen des Wiener Nachtpfauenauges wachsen extrem schnell und bleiben nach der 1. Häutung schwarz. Nach der 2. Häutung werden sie grün mit gelben Punktwarzen, nach der 3. Häutung grün mit lila Punktwarzen und nach der 4. Häutung grün mit hellblauen Punktwarzen. Die ausgewachsene Raupe ist schließlich bis zu 12cm lang und hat sich zu einer wahren Fressmaschine entwickelt. Ihr systematisches Knabbern an den Blättern ist deutlich zu vernehmen.

Kann man die Raupen berühren?

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Die Raupen sollten so wenig wie möglich berührt und keinesfalls gequetscht werden – ihre langen Härchen machen dies deutlich. Wenn sie größer sind, ist außerdem ein deutliches wiederholtes Zischen zu vernehmen, wenn sie sich gestört fühlen.

Allerdings ist es völlig ungefährlich, die riesigen Raupen von selbst auf Fingern oder Handfläche krabbeln zu lassen. Kinder (und auch Erwachsene), die die Raupen vielleicht zuerst noch als Ungeziefer sehen, freunden sich so mit ihnen an und verlieren sehr schnell die Scheu vor diesen faszinierenden Insekten.

Mitte Juli: Verpuppung der Raupen

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© Barbara Pachner

Kurz vor der Verpuppung färben sich die Raupen bräunlich-orange und entleeren sich. Nach dem „Raupen-Durchfall“ stellen sie das Fressen ein und suchen einen geeigneten Platz, um ihren Kokon zu spinnen. Es dauert etwa 24 Stunden, bis sie nicht mehr zu sehen sind und auch wenn der Kokon längst verschlossen ist, kann man ein paar Tage lang noch leises Knistern hören, wenn die Raupe darin weiter spinnt. Danach ist Ruhe bis zum nächsten Frühling – oder noch länger, denn die Puppen können bis zu 3 Jahre lang ohne Wasser oder Nahrung überleben. Manche schlüpfen auch erst ein Jahr oder sogar zwei Jahre später.

Sind alle Raupen verpuppt, bewahrt man die Kokons am besten an einem geschützten Ort (entweder im Faunarium selbst oder in einem Karton) im Freien auf. Die Schmetterlinge müssen Frost erleben, damit sie wissen, wann es Zeit ist zu schlüpfen. Sie dürfen angeregnet, aber natürlich nicht überschwemmt werden. In der freien Natur würde ihr Kokon ja schließlich auch an irgendeinem Obstbaum kleben.

Im Frühling schlüpfen die Falter und der Kreislauf beginnt von Neuem….

Wiener Nachtpfauenauge selbst züchten

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© Katja Higatzberger, Talentegarten

Ihr seid neugierig geworden und wollt die Raupenzucht selbst ausprobieren? Vor allem für Kinder ein unvergessliches Erlebnis, das ihnen die magische Entstehung eines Schmetterlings näher bringt. Hier findet ihr eine genaue Anleitung für die Hobbyzucht des Wiener Nachtpfauenauges:

Solltet ihr oder eure Kinder noch weitere Fragen zur Hobbyzucht des Wiener Nachtpfauenauges haben, schreibt uns eine Nachricht! Und falls ihr im Raum Wien unterwegs seid, kommt im Juni gern mal vorbei und holt euch ein paar Raupen!

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Bibi F.
Bibi F.
Früher waren es Kundenprojekte - nun begleite ich das tägliche Chaos mit zwei Kindern zwischen Kampfansagen und Kuschelattacken. Vom klassischen Erziehungs-Gedanken habe ich mich längst verabschiedet. Als Berufs-Bloggerin schreibe ich mir im gnadenlos ehrlichen Familienblog Erfahrungen, Einfälle und Emotionen von der Seele.

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